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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 9. Band, (Jahrgang 1852)

Graf  Rudolf  Chotek,  k.  k.  österr.  Staats-  und  Conferenz-Minister.  449
getheilt.  Die  oberste  Justizstelle  erlitt  unter  dieser  grossen  Monarcliinn
keine  wesentliche  Veränderung.  Die  politischen  Geschäfte  wurden
durch  die  böhmisch  -  österreichische  Hofkanzlei  administrirt.  Alle
Gegenstände,  welche  in  das  weite  Gebiet  der  Finanzen  und  des
Commerzes  gehören,  durch  einen  unaufhörlichen  Wechsel  der  Dinge
tlieilweise  bald  mit  der  erwähnten  Hofkanzlei  vereinigt,  bald  von  derselben ­
  getrennt,  ohne  je  unter  sich  in  einem  oberen  Centralpuncte  vereinigt ­
  zu  sein.  Der  Hofkommerzienrath  bestand  seit  1760.  1776  wurde
die  Stelle  der  böhmisch-österreichischen  Hofkanzlei  subordinirt,  doch
so,  dass  für  das  Commerz  anfangs  noch  einige  Hofrätlie  und  abgesonderte ­
  Sessionen  blieben.  Die  Stelle  war  eigentlich  nicht  aufgehoben,
sondern  nur  zwei  Hofstellen  einem  Chef  subordinirt.  Aber  unbemerkt
verloren  sich  die  besonderen  Sessionen  und  jede  Spur  einer  eigenen
Commerzienstelle  verschwand.  Im  Finanzfache  existirte  a)  eine  Hofkammer, ­
  welche  auch  die  ungrischen  Cameralia  leitete;  die  deutsch  -
erbländische  Creditsdeputation;  c)  die  Hofrechenkammer;  d)  das  Miinzund
  Bergwesens-Collegium,  welches  1777  zu  einer  eigenen  Hofkammer
erhoben  wurde;  e)  die  Bancodeputation  unter  einem  eigenen  Präsidenten.
Das  Camerale  und  Bancale  wurden  bald  unter  einem  Präsidenten  vereinigt, ­
  man  errichtete  aber  7  besondere  Commissionen,  welche  unter
dem  Kammer-  und  Banco-Präsidenten  standen.  Auch  diese  Commissionen ­
  liess  man  wieder  eingehen  und  vereinigte  sie  unmittelbar  mit
dem  Banco  und  der  Kammer,  doch  wurde  das  Camerale  und  Bancale,
jedes  unter  seinem  Vieepräsidenten,  in  besonderen  Sessionen  verhandelt. ­
  Das  wesentlichste  Gebrechen  bei  all  diesem  war,  dass  die
Finanzgegenstände  auseinander  gerissen  ohne  allgemeine  Übersicht
waren.  —  Kaiser  Joseph  II.  vereinigte  die  Politica  und  Cameralia  in
der  vereinigten  Ilofstelle,  welcher  1782  auch  die  Hofkammer  in  Münzund
  Bergwesen  untergeordnet  wurde.  Durch  diese  Vereinigung  so
heterogener  Geschäfte  wurden  die  Numern  der  Stelle  auf  jährliche
60.000  und  darüber  gebracht  um  die  umfassenden  Geschäfte,  welche
die  vielen  Reformen  des  Monarchen  nothwendig  machten,  konnten
durchaus  nicht  mit  der  gehörigen  Reife  durchgedacht  werden.  Zwar
wurden  für  viele  Gegenstände  eigene  Commissionen  aufgestellt;  es
entstand  eine  geistliche  Commission,  eine  Studienhof-Commission,
eine  Robotabolitions-Commission,  eine  Stiftungs-Commission.  Aberda
diese  Commissionen  nur  Filiale  waren,  so  lag  wenigstens  die  Revision
ihrer  Elaborate  immer  dem  Chef  der  vereinigten  Hofstellen  ob.  Die
            
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