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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 9. Band, (Jahrgang 1852)

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Dr.  Adam  W  o  1  f.

sein  Departement  abgeben  musste,  schrieb  sie  an  Chotek  20.  Deeember
  1760:  „Ich  finde  mich  wegen  Eurer  Person  in  Verlegenheit
und  überlasse  es  gänzlich  eurer  eigenen  Auswahl,  was  euch  am  angemessensten ­
  falle.”  Graf  Chotek  antwortete,  er  habe  keinen  Willen, ­
  sondern  nur  blinden  Gehorsam,  er  wünsche  nur,  seiner  Monarcliinn
  bis  an  sein  Lebensende  zu  dienen;  das  Wie  habe  sie  zu  bestimmen.” ­

Übrigens  war  Chotek’s  Gesundheit  tief  erschüttert;  er  bedurfte
der  körperlichen  und  geistigen  Ruhe.  Nicht  ohne  tiefe  wehmüthige
Gefühle  ging  er  auf  seine  Güter  in  Böhmen.  Kaiser  Joseph  kehrte
krank  aus  dem  Türkenkriege  heim.  Der  Widerstand  der  Niederlande
hatte  der  Opposition  auch  in  den  anderen  Provinzen  Nahrung  und
Kraft  gegeben.  Joseph,  von  physischen  und  geistigen  Leiden  überwältigt, ­
  entschloss  sich  zu  jenem  merkwürdigen  Actenstücke  vom
28.  Jänner  1790,  der  s.  g.  Revocatio  Ordinationum,  quac  sensu
communi  legibus  adversari  videbantur.  Am  20.  Februar  1790
starb  Kaiser  Joseph.  Leopold  kam  im  März  nach  Wien.  Im  ersten
Monate  seiner  Regierung  berief  er  Graf  Chotek  nach  Wien  und  übertrug ­
  ihm  die  Leitung  der  neu  errichteten  für  alle  österreichischen
Länder  vereinten  Hofstelle.  Graf  Franz  Rosenberg,  der  Freund  und
Vertraute  Kaiser  Joseph’s,  „ein  kluger  Mann,  schlicht  und  ohne  Affeetation”,
  wie  Fürst  sagt,  drückte  Chotek  seine  Freude  darüber  aus.  Schon
am  6.  April  1790  hob  K.  Leopold  das  ganze  Josephinisclie  Steuersystem ­
  auf.  Unter  den  Motiven  gibt  das  Patent  an,  dass  die  mit  der
neuen  Steuer-  und  Urbarialregulirung  bezweckte  Hauptabsicht  der
Beförderung  des  Wohlstandes  der  Unterthanen  nicht  erreicht  worden
sei.  „Es  soll  das  ganze  Steuerwesen  auf  den  Fuss  wie  es  ehedem
gewesen,  provisorisch  wieder  hergestellt  werden,  bis  ruhigere  Zeiten
erlauben  werden,  die  Gebrechen,  die  sich  allenfalls  in  dem  alten
Steuerfusse  finden  möchten,  in  reifere  Erwägung  zu  ziehen  und  nach
Einvernehmung  der  Stände  die  den  Umständen  angemessenen  Abänderungen ­
  zu  treffen”.
Die  Lage  des  Staates,  wie  sie  Kaiser  Leopold  vorfand,  wai
nicht  erfreulich.  Der  allgemeine  Widerstandsgeist  hatte  das  Selbstvertrauen ­
  der  Stände  und  ihre  Verehrung  für  die  alte  Verfassung
gesteigert.  In  Böhmen  und  Ungern  war  dieser  Geist  am  mächtigsten.
Kaiser  Leopold  hatte  durch  das  a.h.  Rescriptvom  1.  Mai  1790  erlaubt,
dass  die  Stände  sich  versammeln,  Als  Hauptpuncte  der  Verband-
            
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