Graf Rudolf Cliotek, k. k. Österr. Staats- und Conferenz-Minister. 441
der Finanzplan gebaut ist, sind unumstösslieh wahr, denn da, wo
der Staat keine andere Ressource hat, muss jedes Mitglied das Seinige
nach Kräften darbieten.” Für die österreichischen Erhländer
entfiel eine Summe von 8,394.892 fl., durch Belegung der Besoldungen
1,151.340 fl., und als Steuer für jene, welche keine Realität
oder Besoldung haben 9,546.132 fl. Die Lieferungen der deutschen
Erhländer waren auf 2,741.256 fl. angeschlagen. Der ungrische
Adel und die übrigen Classen sollten ein donum gratuitum von
4 Mill. G. geben. Wie die Opposition in Ungern diesen Gegenstand
aufgriff, ist bekannt. Die Niederlande sollten wie zur Zeit des hair.
Erbfolgekriegs 1778, 1779 ein donum gratuitum von 3 Mill. gehen.
Von der Lombardei waren 1 Mill., von Tirol 100.000 fl., von den
Vorlanden 75.000 fl. zu rechnen. — Im Jahre 1788 schrieb Kaiser
Joseph aus dem Lager in Semlin und anderen Orten Briefe an Graf
Chotek, worin die zarteste Sorge für seine Gesundheit und die vollste
Anerkennung der Thätigkeit des Grafen ausgesprochen ist. Die
Überzeugungen des Grafen waren jedoch nicht mehr in voller Übereinstimmung
mit den Consequenzen, welche das politische System des
Kaisers nach sich zog. Chotek sah ruhig, vorsichtig den mächtigen
Wandlungen der Zeit zu; er war nicht im Chor der Stimmführer der
Zeit, er schloss sich aber auch nicht an die Opposition, welche
sich im Schosse der Regierung und bei den Ständen bildete. An der
Spitze der Josephinischen Reformen durch die Folgen in allen socialen
und staatlichen Verhältnissen steht unbedingt die Einführung des
UnterthänigkeitsVerbandes statt der Leibeigenschaft, damit stand
eine Reihe von Verordnungen in Verbindung, namentlich für das
Recht und die Pflicht der Robot. So sehr die zarten Erinnerungen
des Adels dabei mannigfach verletzt wurden, so war doch der grösste
Thcil der Berechtigten von der Nothwendigkeit einer solchen Massi'egel
überzeugt. Nicht desswegen schied Graf Chotek aus dem Ministerium,
wie dies öfter angegeben ist, sondern wegen der Steuerreformen,
welche man damals für durchaus unpraktisch und unausführbar
hielt.
Es war ein Lieblingsgedanke Kaier Joseph’s, die Grundsätze
dei Allgemeinheit der Steuerpflicht und Gleichmässigkeit derselben
zum vorherrschenden in seinem Steuersysteme zu machen. Gleich in
den ersten Jahren nach dem Achner Frieden war unter Maria Theresia
übei die gesammten deutschen Provinzen des österreichischen Ilau-SUzb.
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