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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 9. Band, (Jahrgang 1852)

Graf  Rudolf  Chotek,  k.  k.  österr.  Staats-  und  Conferenz-Minister.  439
werden,  aus  dem  auf  die  letzt  doch  nichts  herauskommt.  2  und  2
machen  immer  4,  ein  ehrlicher  Mann  stiehlt  nichts  und  ein  Spitzbuh
findet  immer  Mittel  um  zu  betrügen.  Ich  bin  also  der  Meinung,  dass
die  Rechenkammer  als  das  Centrum  aller  Rechnungen  der  Monarchie
die  sämmtlichen  Rechnungen  der  Domänen  expost  übersehen,  bemängeln ­
  und  berichtigen  solle,  zu  allen  anderen  buchhalterischen
Arbeiten,  die  bei  Wirthschaftsdirectorien  so  oft  Vorfällen,  meist
sowohl  den  Cameral-Administratoren  in  Ländern,  als  der  Domänencommission ­
  in  Wien  ein  Ruchhalterei-Personale  beigegeben  werde,
welches  alle  diese  Berechnungen,  Voranschläge,  Ausmasse  ihr  in
die  Hand  arbeite,  welche  sie  zur  Führung  ihres  Geschäftes  braucht,
und  dieses  Personale  muss  von  der  Commission  und  den  Administratoren ­
  ganz  abhängen,  da  es  bloss  ihre  Gehilfen  sind.  Nach  dieser
Gesinnung  sollte  ich  glauben,  dass  Jedermann  ruhig  und  zufrieden
sein,  und  sowohl  die  Rechenkammer  als  die  Domänencommission
und  die  Administratoren  ihr  Amt  handeln  könnten.  In  dieser  Gemässlieit
  ersuche  ich  Sie,  diese  Sache  einzuleiten  und  in  Gang  zu  erhalten, ­
  26.  Oct.  1788.  Joseph  m.  p.”
Die  Grundlinien  des  politischen  Systems  Kaiser  Joseph’s  II.  waren
die  Idee  der  Aufklärung,  kirchliche  Reinigung,  die  Unterordnung
der  Kirche  unter  das  Staatsgesetz,  die  Übung  der  Regierungsrechte
ohne  Rücksicht  auf  die  historische  Gliederung  des  Staatswesens,
Gleichheit  der  Staatsformen  in  allen  ihren  Bestandtheilen  kraft  der
Einheit  des  Hauptes.  Die  kirchlichen  Reformen  haben  die  Entwickelung ­
  der  Kirche  auf  lange  hinaus  gehemmt,  die  staatlichen  Reformen
haben  die  Regierung  gefestigt.  Die  Endresultate  dieser  Reformen
Joseph’s  II.  waren  auf  Principe  gerichtet,  welche  der  moderne  Staat
als  Säulen  der  bürgerlichen  Ordnung  festhält,  eine  feste  monarchische ­
  Gestaltung,  geläuterte  Finanzverwaltung,  ein  tapferes  Heer,
Gleichheit  vor  dem  Gesetz.  Wie  vielen  Schwankungen  die  Schöpfungen ­
  ausgesetzt  waren,  der  natürliche  Entwickelungsgang  des  Staates
hat  sie  doch  in  die  Höhe  getrieben,  und  manches,  was  vergessen
schien,  ist  heutzutage  zum  lebenskräftigen  Gebilde  geworden.  Kaiser
Joseph  stand  mit  seinen  Ideen  nicht  allein.  Aus  den  Zeiten  Maria
Theresia  s  hatte  sich  eine  Schule  von  Staatsmännern  herausgebildet,
"'eiche  ein  völlig  verschiedenes  politisches  System  im  Vergleich  mit
Jöcher  und  Abele  unter  Leopold  I.,  oder  Kinsky  und  Harrach  unter
Earl  VI.  befolgten.  In  dieser  Reihe  waren  F.  Kaunitz,  Lascy,  Graf
            
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