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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 9. Band, (Jahrgang 1852)

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Dr.  Adam  Wolf.

rathe  bei  der  vereinigten  Hofkanzlei,  und  wenige  Jahre  nachher  ernannte ­
  ihn  Joseph  IL  zum  Kanzler  dieser  Stelle.  Nach  seines  Oheims
Tode  war  Graf  Blümegen  als  oberster  Kanzler  eingetreten;  Vicekanzler
  war  Graf  Leopold  Kolowrat,  früher  Hofkammer-  und  Bancopräsident.
  Im  J.  1782  concentrirte  Joseph  II.  die  Politica  und  Cameralia
  sämmtlich  in  der  vereinigten  Hofstelle,  welcher  1782  sogar
die  Hofkammer  in  Münz  -  und  Bergwesen  untergeordnet  wurde.  Graf
Kolowrat  wurde  der  oberste  Chef  dieser  Stelle,  Graf  Chotek  Kanzler, ­
  Baron  Gebier,  ein  ausgezeichnetes  Talent,  Vicekanzler.  Mit  und
durch  diese  Stelle  im  Zusammenwirken  mit  dem  Staatsrathe  und  den
Präsidenten  einzelner  Commissionen  rief  Kaiser  Joseph  jene  Reihe
von  Reformen  ins  Leben,  welche  seine  Regierung  als  eigentliche
Reform-Epoche  charakterisiren.  Es  ist  bekannt,  in  welch  stürmischer
Eile  Kaiser  Joseph  diese  Reformen  erliess  im  Vertrauen  auf  ihre
unbedingte  schaffende  Kraft,  ohne  an  die  Natur  des  Stoffes  ,  an  die
Zähigkeit  des  grossen  Volkslebens  zu  denken.  Ein  kleiner  Pendant
zu  dem  berühmten  Handbillet  vom  Dec.  1783,  worin  er  die  Schuld
der  Nichtausführung  der  Reformen  den  Beamten  zuschrieb,  ist  folgendes ­
  Billet  an  Chotek  als  Antwort  auf  mehrere  Vorschläge  des
Grafen:  „Wenn  jeder  in  seinem  Fache  bliebe  und  einer  dem  andern
nicht  geflissentlich  bald  aus  Personalitäten  bald  aus  Autoritätssucht
oder  aus  Lust  zuNeuigkeiten  in  seinen  Verrichtungen  hinderte,  sondern
alle  mit  thätiger  Eintracht  und  Freundschaft,  so  oft  es  um  den  Dienst
und  das  allgemeine  Beste  zu  thun  ist,  zu  Werke  gingen,  so  wären
ihre  Vorschläge  ganz  richtig;  dann  würde  die  Domänencommission
mit  der  Rechenkammer  und  der  Centralbuchhalterei,  Cameraladministrationen
  in  den  Ländern  mit  den  dortigen  Buchhaltereien  mit  gemeinschaftlichen ­
  Kräften  trachten,  die  Wirthschaft  zu  verbessern,
die  Anstände  zu  beseitigen,  die  Rechnungen  zu  vereinfachen  und
dgl.  mehr.  Jetzt  aber  ist  eben  das  Gegentheil,  die  Rechenkannner
will  administriren,  die  Buchhalterei  alles  vorschreiben  und  leiten,
statt  nur  zu  revidiren,  und  daraus  entsteht  die  unangenehmste  Verwirrung, ­
  besonders  für  den,  der  alle  Geschäfte  des  Staates  wie  ich
leitet,  und  also  in  die  Details  eines  jeden  Departements  nicht  vollkommen ­
  eingehen  kann  und  versuchen  muss  ,  bald  den  Einen,  bald
den  Andern  auch  öfters  vielleicht  eine  unnöthige  Autorität  einzuräumen, ­
  um  nur  das  Geschäft  gehen  zu  machen,  weil  sonst  nur  dissertirt,
  disputirt,  projectirt,  concertirt  wird  und  Noten  gewechselt
            
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