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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 9. Band, (Jahrgang 1852)

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Dr.  Adam  Wolf.

Es  Avar  die  Zeit  des  österreichischen  Erhfolgekrieges;  Karl  Albrecht
von  Baiern  rückte  in  Böhmen  ein,  und  liess  sich  in  Prag  huldigen.
Auch  Graf  Cliotek  unterwarf  sich  der  momentanen  Gewalt;  er  wusste
sich  jedoch  bei  Maria  Theresia  über  diesen  Schritt  zu  rechtfertigen.
Schon  1744  wurde  er  geheimer  Rath  und  als  Bevollmächtigter  nach
Tirol  gesandt,  um  mit  dem  baierischen  Hofe  zu  unterhandeln.  Er  schloss
1745  den  Frieden  zu  Füssen.  1746  verlieh  ihm  die  Kaiserinn  die
Würde  eines  Oberlandkämmerers  und  berief  ihn  1749  als  Präsidenten
des  Banco  nach  Wien.  Von  hier  aus  entfaltete  er  seine  regsame
Thätigkeit,  durch  ihn  kam  die  Convention  zwischen  Österreich  und
Baiern  vom  21.  September  1753  zu  Stande,  welche  den  Conventions-Münzfuss
  begründete.  Durch  das  Edict  vom  13.  November  1753
wurde  das  Lotto  eingeführt.  Das  Zoll-  und  Mauthsystem  wurde  reorganisirt.
  Böhmen,  Mähren,  Schlesien  erhielten  einen  neuen  Tarif  vom
5.  April  1753,  Ungern  im  Laufe  des  nächsten  Jahres,  Österreich  am
2.  April  1755.  Seine  Verwaltung  erstreckte  sich  nicht  bloss  auf
die  Erhöhung  der  Ziffer  des  Staats-Etats,  er  wirkte  auch  befördernd
auf  alle  Productionszweige.  Er  erkannte  die  grosse  Zukunft  Triest’s
gegenüber  den  venetianischen  Häfen,  und  die  Vortheile  des  Platzes
entwickelten  sich  in  der  glänzendsten  Weise.  Handlungshäuser  aus
den  Niederlanden,  Griechenland,  Neapel  gründeten  dort  Etablissements ­
  oder  Hessen  sich  dort  ganz  nieder.  1759  erhielt  Graf  Cliotek  die
volle  Leitung  der  Finanzen  und  führte  sie  in  allen  Schwingungen  des
7jährigen  Krieges,  welche  die  Kraft  des  Staates  ahsorhirten.  Unter
Graf  Chotek’s  Leitung  entstand  das  erste  österreichische  Papiergeld. ­
  Bankobligationen,  Creditspapiere  gab  es  schon  unter  Kaiser
Joseph  I.  und  Karl  VI.  Die  Anstrengungen  des  7jährigen  Krieges
hatten  den  Finanzen  tiefe  Wunden  geschlagen.  Der  Staat  hatte  eine
Schuldenlast  von  150  Mill.  Gulden.  Im  December  1762  kam  zwischen
der  Hofkammer  und  der  Wiener  Stadtbank  ein  ordentlicher  Recess  zu
Stande,  in  Folge  dessen  für  12  Mill.  Gulden  1,375.000  Bancozettel
zu  5,  10,  25,  50,  100  fl.  ausgefertigt  wurden.  Der  Hofrath  Bolza
hatte  damals  im  Ministerium  und  in  einem  Vortrage  an  die  Kaiserinn
gewaltig  opponirt,  aber  die  Nothwendigkeit  des  Papiergeldes  lag
offen  da;  man  zahlte  für  die  ersten  Bancozettel  ein  hohes  Agio.
Nach  dem  Tode  des  Grafen  Haugwitz  1765  fungirte  Graf  Cliotek
auch  als  oberster  Chef  der  politischen  Verwaltung  als  k.  k.  oberster
Kanzler  der  vereinigten  böhmischen  österreichischen  Hofkanzlei,  die
            
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