Graf Rudolf Chotek, k. k. österr. Staats- und Conferenz-Minister. 43!)
blieben frei; er blieb im Lande, wurde später Hauptmann des Kreises.
Mit Wenzel Chotek, geb. 1674, erhob sich das Haus wieder zu neuer
Blütlie. Die alte ständische Opposition war abgestorben, das moderne
monarchische Princip trieb tiefere Wurzeln, der böhmische Adel
schloss sich wieder an die Regierung und übte nun seinen Einfluss,
in gesetzlichen und administrativen Dingen, wie er einst vom Landtage
ausgegangen war, mit und durch die Regierung. Wenzel Chotek
wurde 1702 von Kaiser Leopold I. in den Freiherrenstand erhoben,
1723 gegraft undl741 geheimer Rath. Seit 1728 war er Statthalter in
Böhmen. Von seinen beiden Söhnen wurde Johann für die innere
Staatsverwaltung, Rudolf für den diplomatischen Dienst bestimmt.
Beide Namen traten in der grossen Reformperiode unter Maria
Theresia glänzend hervor. Die Jahre von 1748 bis 1763 bezeichnen
die Veränderung der Staatsgrundsätze Österreichs durch das bekannte
Bündniss mit Frankreich: sie bezeichnen auch eine Neugestaltung
Österreichs in seiner staatlichen Form. Aus den bisherigen
breiten und laxen Formen, in denen die Provinzen beinahe für sich
bestanden, und keine nachdrückliche durchgreifende Regierung möglich
war, erhob sich Österreich allmählich zum Principe einer Einheit der
Verwaltung. Es ging diese Bewegung im Innern Österreichs von den
Augen anderer Monarchen nicht unbeachtet vorüber. Friedrich II.
spricht in seiner 'Oeuvres postli. III, 223’ mit der grössten Anerkennung
davon, 1732 schickte er einen schlesischen Edelmann Freiherrn
von Fürst nach Wien zur Regulirung des schlesischen Schuldenwesens.
Ranke hat in seiner hist. pol. Zeitschrift von 1835 die Beobachtungen
dieses scharfsinnigen Mannes über die administrativen Gänge und
Wandlungen Österreichs mitgetheilt. Bei der Reorganisation der
inneren Verwaltung waren vorzüglich zwei Männer thätig, deren Geist
und schöpferische Kraft Epoche für die österr. Geschichte machte:
Graf Haugwitz und Graf Rudolf Chotek. Ersterer eine politische
und finanzielle Grösse, die sich aus der Amtsstube in Breslau zur
höchsten Leitung der inneren Geschäfte emporschwang; er concentrirte
die politische und Justizverwaltung, er schuf zuerst ein Abgabensystem
mit directen Steuern. Was Haugwitz für die directen
Abgaben war, wurde Chotek für die indirecten. Graf Rudolf, geh.
1<07, war zuerst Kämmerer bei dem Grossherzog von Toscana. In
einem Alter von 34 Jahren wurde er Appellationsrath und nach dem
Ausscheiden seines Vaters aus dem Staatsdienste Statthalter inBöhmen,