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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 9. Band, (Jahrgang 1852)

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Dr.  Adam  Wolf.

Graf  Rudolf  Chotek,  k.  k.  österreichischer  Staats-  und
Conferenz-Minister.
Von  Dr.  Adam  Wolf.
Jede  staatliche  Entwickelung  beruht  auf  einer  mannigfaltigen
Wechselwirkung  persönlicher  und  realer  Momente.  Die  Geschichtschreibung ­
  greift  gewöhnlich  nur  die  grossen  Begebenheiten  auf,  ohne
die  persönlichen  Elemente  und  ihren  Einfluss  auf  die  Gestaltung  und
Wandelung  der  Dinge  aufzufinden  oder  zu  würdigen.  In  einem  Staate  wie
Österreich,  der  sich  seit  zwei  Jahrhunderten  in  durchaus  monarchischer
Form  entwickelte,  wo  alle  Veränderungen  in  Verfassung  und  Verwaltung ­
  vom  monarchischen  Mittelpuncte  und  den  Trägern  der  Regierung ­
  ausgingen,  sind  die  persönlichen  Elemente  von  besonderer
Wichtigkeit.  Es  liegt  in  ihnen  der  Aufschluss  für  den  grossen  Umschwung ­
  der  Dinge,  von  ihnen  geht  die  Belebung  aus,  wodurch  die
allgemeinen  Schilderungen  Duft  und  Farbe  erhalten.  —  Ich  nenne
hier  einen  Namen,  der  bei  mehreren  verehrten  Mitgliedern  der  hohen
Akademie  frühe  Erinnerungen  wecken  wird.  Graf  Rudolf  Chotek  aus
einem  Geschleckte  entsprossen,  das  in  der  österreichischen  Verwaltungsgeschichte ­
  seine  Stellung  hat,  wie  die  Liechtenstein  und  Schwarzenberg ­
  in  Militär  und  Diplomatie,  wie  die  Russell’s  in  England,  die
Brahe’s  in  Schweden,  die  Orlow  und  Woronzow  in  Russland.
Die  Chotek  sind  ein  altes  böhmisches  Geschlecht,  das  in  Urkunden
1377  zuerst  genannt  wird.  Das  Schloss  Chotek  lag  im  Rakonitzer
Kreis,  wurde  1524  verkauft  und  kam  später  an  das  Collegiatstift  zu
Allerheiligen  in  Prag.  Als  Böhmen  zu  Österreich  kam,  zeichnete  sich
zuerst  Peter  von  Wognin  aus;  er  war  unter  Ferdinand  I.  Kammerprocurator,
  Commissär  hei  der  Ausarbeitung  der  Landesordnung,  1550
böhmischer  Vicekanzler.  Ferdinand  I.  erhob  ihn  1558  in  den  Herrnstand. ­
  In  den  wirren  Zeiten  der  Reformation  und  Gegenreformation,
des  Kampfes  der  Stände  mit  der  monarchischen  Macht,  standen  die
Chotek  zur  ständischen  Partei,  sie  waren  1618  bis  1620  tliätige  Mitglieder ­
  der  Revolution,  wie  der  grösste  Theil  des  alten  nationalen
Adels.  Die  zwei  Brüder  Georg  und  Karl  wurden  auch  verurtheilt;  der
ältere  durch  die  Sentenz  vom  22.  November  1622  zum  Verluste  seines
ganzen  Vormögens,  er  wanderte  aus.  Der  jüngere,  Karl,  verlor,  durch
Sentenz  vom  14.  Juli  1623,  zwei  Drittheile  seines  Vermögens;  die
Güter  seiner  Frau,  Elisabeth  von  Bärstein,  im  Leitmeritzer  Kreise
            
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