Bericht des k. k. Consulats in Tripolis an die k. k. Central-Seebeliörde. 429
Gelesen s
Bericht des k. k. Consulats in Tripolis an die k. k.
Central- Seebehörde in Triest über den zwischen Tripolis
und dem Innern von Afrika betriebenen Karawanen
- Handel 4 ).
Von allen Städten im Sudan ist Kanun (Kano, Kanem) die
handelsreichste. Von hier nimmt alljährlich im Juni die Karawane
ihren Ausgang, die gegen Anfang Novembers zu Ghat (Ghaat)
ankommt; sie ist gewöhnlich 530 bis 600 Kameele stark, deren
Ladungen aus Producten des Sudan und dem Proviant für die
mitgeführten oft bis auf tausend sich belaufenden Sclaven bestehen.
Die lange Dauer ihrer Reise bis Ghat (fünf Monate) hängt von dem
Umstande ab, dass sie sich von ihren Sclaven nicht trennen kann,
die ihr zu Fusse folgen. —
Am Ende Augusts eines jeden Jahres bricht die Karawane von
Tumbuctu von nicht mehr als ISO Kameelen mit Proclucten und
Goldstaub führenden Kaufleuten auf, die im November nach fiinfundsechzigtägiger
Reise zu Ghat anlangt.
Aus der Stadt Aber begibt sich im October eine andere Karawane
auf den Weg nach Ghat, wo sie ebenfalls im November nach
Verlauf von zwanzig Tagen ankommt. Da die Umgegend jener Stadt
nur Sennesblätter in den Handel bringt, so ist die Stärke dieser Karawanen
nicht immer gleich; sie hängt von der Nachfrage nach diesem
Artikel ab, wobei in den letzten zwei Jahren kaum die Transportkosten
herauskamen.
Die in Tripolis gegen ihre Einfuhren aus Sudan eingetauschten
europäischen Fabrikswaaren schaffen die Gadameser Kaufleute im
Laufe des Sommers mittelst kleiner Karawanen von 30—40 Kameelen
in 20 Tagen nach Gadames und von da in weiteren 30 Tagen
nach Ghat.
Im Monate November eines jeden Jahres findet in Ghat eine
grosse Messe Statt, auf welcher die Sclaven verkauft, die Waaren
aus den verschiedenen Städten des Sudans ausgetauscht werden,
1 ) Gütigst mitgetheilt von dem h. Ministerium f. Handel, Gewerbe und öffentliehe
Bauten,