Skip to main content Jump to sidebar

Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 9. Band, (Jahrgang 1852)

30

G.  I/.  F.  Tafel.

schade,  dass  der  Text,  gedruckt  wie  er  bereits  war,  keine  Verbesserungen ­
  mehr  von  diesen  reichhaltigen  Nachträgen  erhalten  konnte,
welche,  was  Feinheit  und  Schärfe  des  Urtheils  betrifft,  zum  Besten
in  der  neu-byzantinischen  Literatur  gerechnet  werden  können,  und
auch  von  einer  andern,  ganz  praktischen  Seite  als  Muster  zu
empfehlen  sind,  dessen  die  neueren  Bearbeiter  solcher  Werke  des
Mittelalters  nicht  immer  sich  bewusst  geblieben  zu  sein  scheinen.
Damit  meinen  wir  eine  etwas  mühsame  Methode,  den  Text  der  griechischen ­
  Chronographen  nicht  bloss,  wie  natürlich,  aus  ihnen  selbst
und  durch  etwa  noch  vorhandene  Handschriften  zu  berichtigen,  sondern ­
  zugleich  jeneClasse  von  Hülfsmitteln  herbeizuziehen,  welche  in
den  nationalen  Parallelschriftstellern  enthalten  sind.  Bekanntlich
herrscht  in  keinem  Tlieile  der  historiographischen  Literatur  des
Mittelalters  so  sehr  das,  was  man,  gelinde  gesprochen,  Epitomae
oder  Exeerpte,  strenger  aber  in  bestimmten  Fällen  Plagium
nennt,  als  unter  der  zahlreichen  Genossenschaft  der  Chronisten.
Diese  Epitomatoren  nun  oder  Plagiarier  haben  tlieils  frühere  Werke
excerpirt,  tlieils  sind  sie  von  späteren  ihrer  Classe  ausgezogen  oder
ausgeschrieben  worden.  Um  bloss  von  den  Mittelgriechen  zu  reden,
so  mag  gerade  der  Chronograph  Theophanes  als  erläuterndes  Beispiel ­
  dienen.  Die  Quellen,  aus.welchen  dieser  Autor  schöpfte,  sind
uns  zum  grössten  Theile  unbekannt,  und  werden  das  wohl  für  immer
bleiben;  nur  so  viel  wissen  wir,  dass  dieselben,  was  gewisse  Epochen
betrifft,  auf  Procopius,  Agathias,  Simocatta  und  Georgius  Pisida  zurückgeführt ­
  werden  müssen,  wo  wir  das  Quellengebiet  seiner  Belichte ­
  unbestreitbar  zu  suchen  haben.  Hier  ist  dieser  Autor  so
zu  sagen  ein  activer  Epitomator;  er  ist  aber  auch  ein  passiver,
denn  die  spätere  Zeit  hat  diesen  Annalisten  wieder  epitomirt  oder
ausgeschrieben,  was  am  meisten  von  Cedrenus  (Scylitza)  gilt,  welcher ­
  fast  bloss  den  Theophanes  wiederholt,  ohne  auf  die  von  diesem
gebrauchten  Autoren  selbst  zurückzugehen.  Hierzu  mag  noch  ein
dritter  Fall  gekommen  sein,  wo  Zeitgenossen  einander  gegenseitig
ausschrieben,  was  später  vielleicht  deutlicher  gemacht  werden  kann,
wenn  gewisse  ungedruckte  Annalisten,  wie  Georgius  Hamartolus,  Johannes ­
  Attaliatau.  A.  veröffentlicht  und  mit  den  bereits  gedruckten  verglichen ­
  sein  Averden.  Hier  also  ist  schon  der  blossen  Textkritik,  um
von  anderem  zu  schweigen,  eine  besondere,  sehr  reiche  Unterstützung
geboten,  um  welche  den  Byzantologen  der  altclassische  Philolog,
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.