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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 9. Band, (Jahrgang 1852)

Byzantinische  Analekten.

34S

die  Erzählung  jedoch  bis  zur  Thronbesteigung  seines  Sohnes  Andronikos
  des  älteren  fortgeführt.  Dessen  Versprechen,  alle  Verhandlungen ­
  mit  Rom  abzubrechen,  und  eifrig  der  orthodoxen  Kirche
anzuhängen,  bildet  den  Schluss  des  Gedichtes  1 ).

Konstantinopels  Eroberung  durch  die  Kreuzfahrer  ist  eine  der
folgenreichsten  Begebenheiten  der  byzantinischen  Geschichte:  nicht
so  sehr  für  die  Hauptstadt  des  Reiches  und  die  zunächst  gelegenen
Länder,  die  ja  nach  kaum  einem  halben  Jahrhunderte  wieder  einem
griechisch-redenden  und  nach  byzantinischen  Grundsätzen  regierenden
Herrscher  sich  unterwerfen  mussten,  als  für  die  südlichen  Provinzen
des  Reiches,  den  eigentlichen  Ursitz  der  Hellenen,  das  Festland  von
Hellas  und  insbesondere  die  Halbinsel  des  Pelops.  Durch  Wilhelm
von  Cli  a  mp  litt  es  und  Gottfried  von  Villehar  duin’s  kriegerische ­
  Thaten  wurde  in  kurzer  Zeit  die  ganze  Halbinsel  den  Lateinern
unterworfen  und  daselbst  eine  Feudalherrschaft  nach  Art  aller
Staaten  des  Abendlandes  im  Mittelalter  gebildet;  alle  Verhältnisse
wurden  dadurch  von  Grund  aus  verwandelt,  ein  neues  Recht,  neue
Sitten  und  Gebräuche  in  dem  Stammlande  und  Bollwerke  hellenischer ­
  Bevölkerung  eingeführt,  eine  neue  Baukunst,  nordischen  Ländern ­
  entlehnt,  entsprechend  dem  Bedürfnisse  in  ewiger  Fehde  begriffener ­
  Barone  und  Feudalherren  neben  die  Ruinen  althellenischer
Heiligthümer  verpflanzt:  durch  die  Berührung  byzantinischen  und
abendländischen  Lebens  entstand  eine  neue,  dem  byzantinischen
Geiste  fremde  Literatur  in  abendländisch  -  mittelalterlichem  Geiste
gedacht,  sich  romäischer  Sprache  bedienend 3 ).  Metropolen  und

l )  Michael  Paläologos  in  Konstantinopel.  Verfahren  gegen  den  letzten  Laskariden
  v.  612  —  622.  Patriarch  Arsenios  belegt  den  Kaiser  mit  dem  Banne
v.  623  —  626.  Balduins  Bemühungen  zur  Wiedererlangung  Konstantinopels,
in  Italien  Rüstungen  zu  seinen  Gunsten  v.  627—655.  Michael  befestigt
Konstantinopel,  knüpft  Verhandlungen  mit  dem  Papste  wegen  der  Kirchenvereinigung ­
  an  v.  656  —  701.  Johannes  Bekkos  wird  statt  Joseph  zum  Patriarchen ­
  von  Konstajitinopel  ernannt  v.  702  —  716.  Michael  bedrängt  die
Gegner  der  Kirchenvereinigung  v.  717—726.  Sein  Tod  v.  727  —  732.  Andronikos
  der  Ältere  v.  733  —  751.  Schluss  des  Gedichtes  v.  751  —  759.
)  Leider  liegen  die  Denkmale  dieser  Literatur,  die  ziemlich  reichhaltig  ist  und
zu  vollständiger  Kenntniss  des  geistigen  Lebens  im  Mittelalter  wesentlich
Sitzb.  d.  phil.-hist.  CI.  IX.  Bd.  II.  Hft.  23
            
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