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Prof. Golclenthal.
Denn was Rapoport und Zunz anlangt, so besitzen diese
Realien genug, um die trockensten bibliographischen Studien fruchtbar
und für eine folgende inhaltliche Forschung gedeihlich und fördernd
zu machen. Ihre Arbeiten sind jedenfalls den Fortschritt begünstigend,
und selbst als solcher zu betrachten. Aber die Jüngeren,
die eigentliche Schule macht es sich leicht, greift bloss nach der
Schale und lässt den Kern liegen, ja ahmt, in der Meinung im Sinne
der Erstem fortzuarbeiten, sehr oft gerade das Tadelnswerthe nach.
Gefährlich ist es freilich, eine junge Blttthe in der Literatur mit
dem scharfen Hauche der Kritik gleich zerstören zu wollen, und mit
Rücksicht darauf sprachen wir jedesmal bei vorkommender Gelegenheit,
wie zum Beispiel am Eingänge der von uns herauszugeben beabsichtigten
hebräischen Monatsschrift „Zion” (Leipzig 1845), unsern
Tadel gelinde aus. Wenn aber, im Verlauf der Entwickelung, die
Consequenzen zum Übergriff werden, wenn die Anfänge einer historischen
Forschung, die blossen Vorarbeiten dazu, als eigentlicher
Zweck und Strebeziel behandelt werden, wenn zum Beispiel die bei
Zunz noch vorherrschende altgelehrte Manier, den Text mit einer
Ehrfurcht gebietenden Ladung von Citaten gleich schweren bleiernen
Gewichten zu umhängen, in eine leere Citatenmacherei auszuarten
drohet, da ist es strenge Pflicht, mit unparteiischer Rücksichtslosigkeit
Einhalt zu thun, die ausgetretenen Fluthen in ihr Bett zurückzudrängen,
und auf ein ernstes wissenschaftliches Studium nachdrücklich
hinzuweisen.
Für die Zwecke dieser Schule hat ein jedes Literaturwerk nur
in so fern Werth, als darin irgend ein Name eines andern Autors
oder Werkes erwähnt wird, der zum Citat benützt werden kann, im
Übrigen möge der Inhalt sein welcher er wolle, er ist und bleibt für
sie gleichgültig. Es ist da so leicht den Schriftsteller-Ruhm zu erwerben,
man braucht eigentlich gar nicht viel zu studiren, man nimmt
den besagten literar-geschichtlichen Apparat zur Hand, wählt sich
irgend einen Heroen, sucht ihn in einigen zeitgenössischen Werken
auf, behängt ihn mit einigen schönen Perlenschnüren von Citaten, und
so ist die Biographie fertig, und damit auch der eigene Anspruch auf
das Schriftstellerverdienst. Nirgends, in keinem Zweig der Literatur
lässt sich der echt wissenschaftlichen Forschung mit so leichten Ersatzmitteln
Eintrag thun, wie in diesem Fache. Bei jedem Studium,
das nur einigermassen den Inhalt berührt, muss doch jedenfalls auf