Die neueste historische Schule in der jüdischen Literatur. 311
barkeit auf, und machte es für die Fachmänner zu einem fast unentbehrlichen.
Ein älterer Zeitgenosse Bernard De Rossi’s, lernte dieser Vieles
von ihm, welches sowohl die häufigen Citate im Dizionario storico
beweisen, als auch sein ausdrückliches Lob daseihst unter dem Art.
Azulai, mit folgenden Worten: „II suddetto pronipote sostiene in Livorno,
ove vive in una eta molto avanzata, 1’ onore della famiglia colle
opere cola da lui pubblicate, tra le quali tiene per l’utilitä il primo
rangolabibliograficateste nominata dello,S cein aghedolim, ^Nome
deiGrandi. La 1. parte usci nel 1774, la 2. nel 1786, la 3. nel 1796
col nuovo titolo di Y ah a d lachachamim, o di Assemblea dei dotti.”
Ausserdem ist es noch der bekannte Brief des R. Scherira
Gaon über die Abfassung der Mischnah und des Talmuds, und über
die Reihenfolge der Geonim oder der nachtalmudischen Vorsteher
der gelehrten Akademien in Persien, so wie einige Vorreden zu
manchen älteren Werken, welche zur Literar-Geschichte benutzt zu
werden pflegen. Und somit haben wir den ganzen historischen Apparat
vor uns, der dem Forscher einzig und allein zu Gebote stand,
und noch bis jetzt nicht um Vieles mehr.
Brauchen wir nun noch etwas hinzuzufügen über die Geringfügigkeit
der literar-historischen Quellen ? Können diese genügen in
einer so verhältnissmässig reichen Literatur, wie die hebräischnachtalmudische?
Es sind keine Quellen, als vielmehr einzelne Tropfen.
Es sind keine geschichtlichen Arbeiten, als vielmehr einzelne,
zersplitterte Bruchstücke von Chroniken, die der sie zusammenfügenden
Hand des Meisters noch harren.
Jedoch wollten wir damit weniger einen Vorwurf bezwecken,
als eher darauf hinweisen, mit welchen geringen Mitteln der 1 orscher
sich zu behelfen hatte, und die Verdienste derjenigen in ein
helleres Licht hervorheben, welche den Boden gelockert, das Feld
geräumet, die Aus- und Fernsicht weiter und breiter gemacht haben.
Denn nicht nur ist es der Mangel an mehreren Productionen gleicher
Art wie die aufgeführten, der zu bedauern wäre, sondern auch,
und zwar bei weitem mehr, das noch Ungelichtete und Ungesiebte
dieser selbst. Sagenhafte Erzählungen, Anachronismen, Unbestimmtheiten
machen Einem hier viel zu schaffen, bis man zur eigentlichen
Forschung Platz und geräumigen Boden finden kann.
So sehr lag Alles brach, so sehr Alles unbearbeitet, ja unberührt,
fast wie ein ungelöstes Räthsel unberührt, dass, wenn Wolf