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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 9. Band, (Jahrgang 1852)

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Prof.  Goldenthal.

Nothwendig  ist  es  freilich  vor  Allem,  besonders  in  der  hebräischen ­
  Literatur,  wo  in  dieser  Beziehung  von  jeher  so  wenig  geschehen ­
  ist,  das  Terrain  erst  kennen  zu  lernen,  erst  den  Boden  gut
durchzupflügen,  bevor  gesäet  werden  soll.  Denn  siehet  man  auf  die
Natur,  auf  die  Art  der  Bethätigung  des  Geistes  in  der  hebräischen  Literatur, ­
  so  gewahrt  man  den  merkwürdigen,  hervorragenden  Charakterzug, ­
  sich  wohl  forschend  und  denkend,  schaffend  und  gestaltend
Eigenthümliches  wie  auch  fremdes  Verarbeitetes  auf  die  unermüdlichste, ­
  emsigste  Weise  in  der  Welt  kund  zu  gehen,  nicht  hingegen
mit  demselben  Eifer,  nicht,  möchte  ich  sagen,  mit  der  nämlichen
Seihst-  und  Vorliebe  das  Eigenthum  zu  schätzen,  auf  das  Erworbene
gebührenden  Werth  zu  legen,  mit  einem  Worte:  die  Geschichte  seiner
selbst  zu  bearbeiten,  und  sich  für  geschichtlich  würdig  zu  halten.
Überblicken  wir  die  Geschichtsquellen,  oder  die  literar-historischen
  Arbeiten,  selbst  der  spanisch-arabischen  Periode,  wo  doch
alles  echt  Wissenschaftliche  und  Systematische  seine  Begründung
hatte,  wie  spärlich  finden  wir  sie,  gleich  einzelnen  Samenkörnern
hier  und  dort  verstreuet,  die  des  fleissigen  Sammlers  erst  harren,
eben  so  wie  des  feinen  Siebes,  damit  nicht  mit  dem  einen  reinen
Körnchen  eine  Masse  Spreu  durchschlüpfe.
Das  erste  kleinere,  aber  um  desto  schätzbarere  Werkclien  besitzen ­
  wir  aus  der  Mitte  des  zwölften  Jahrhunderts,  nämlich  das
Sefer  ha-Kabbalah  n^Opfl  iöd)  von  Rabbi  Abraham  ben
Dior 1 ),  einem  etwas  spätem  Zeitgenossen  des  berühmten  Philosophen ­
  und  Exegeten  R.  Abraham  Ihn  Esra.  In  diesem  kleinen,  aus
nur  einigen  Blättchen  bestehenden  Büchelchen,  das  den  mittelalterlichen ­
  Chroniken  nicht  ungleich  sieht,  sind  die  Daten  über  eigentliche ­
  Literatur,  trotzdem  dass  es  der  Geschichte  der  Wissenschaft

*)  Richtiger  David.  Das  Wort  Vltn  Dior  ist  von  Nichtkennern  der  arabischen
Sprache  durch  Verwechslung  des  Buchstaben  *7  mit  dem  *7  R,  missverstanden
worden.  Es  muss  also  Baud  gelesen  werden,  nach  dem  arabischen  Ajlj.
Gleicherweise  mag  es  wohl  ein  Lesefehler  sein,  wenn  Jost  in  seiner  „Allgemeinen ­
  Geschichte  des  israelitischen  Volkes,”  Band  2,  Seite  239,  eine  persische
Übersetzung  des  Pentateuchs  von  R.  Jakob  Tawos  erwähnt.  Das  hebräische
DltA  ist  eher  Tus  zu  lesen,  arabisch  wornach  also  dieser  Übersetzer
aus  der  Stadt  Tus  wäre,  welche  eine  berühmte  wissenschaftliche  Akademie
besass.
            
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