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Prof. Goldenthal.
Nothwendig ist es freilich vor Allem, besonders in der hebräischen
Literatur, wo in dieser Beziehung von jeher so wenig geschehen
ist, das Terrain erst kennen zu lernen, erst den Boden gut
durchzupflügen, bevor gesäet werden soll. Denn siehet man auf die
Natur, auf die Art der Bethätigung des Geistes in der hebräischen Literatur,
so gewahrt man den merkwürdigen, hervorragenden Charakterzug,
sich wohl forschend und denkend, schaffend und gestaltend
Eigenthümliches wie auch fremdes Verarbeitetes auf die unermüdlichste,
emsigste Weise in der Welt kund zu gehen, nicht hingegen
mit demselben Eifer, nicht, möchte ich sagen, mit der nämlichen
Seihst- und Vorliebe das Eigenthum zu schätzen, auf das Erworbene
gebührenden Werth zu legen, mit einem Worte: die Geschichte seiner
selbst zu bearbeiten, und sich für geschichtlich würdig zu halten.
Überblicken wir die Geschichtsquellen, oder die literar-historischen
Arbeiten, selbst der spanisch-arabischen Periode, wo doch
alles echt Wissenschaftliche und Systematische seine Begründung
hatte, wie spärlich finden wir sie, gleich einzelnen Samenkörnern
hier und dort verstreuet, die des fleissigen Sammlers erst harren,
eben so wie des feinen Siebes, damit nicht mit dem einen reinen
Körnchen eine Masse Spreu durchschlüpfe.
Das erste kleinere, aber um desto schätzbarere Werkclien besitzen
wir aus der Mitte des zwölften Jahrhunderts, nämlich das
Sefer ha-Kabbalah n^Opfl iöd) von Rabbi Abraham ben
Dior 1 ), einem etwas spätem Zeitgenossen des berühmten Philosophen
und Exegeten R. Abraham Ihn Esra. In diesem kleinen, aus
nur einigen Blättchen bestehenden Büchelchen, das den mittelalterlichen
Chroniken nicht ungleich sieht, sind die Daten über eigentliche
Literatur, trotzdem dass es der Geschichte der Wissenschaft
*) Richtiger David. Das Wort Vltn Dior ist von Nichtkennern der arabischen
Sprache durch Verwechslung des Buchstaben *7 mit dem *7 R, missverstanden
worden. Es muss also Baud gelesen werden, nach dem arabischen Ajlj.
Gleicherweise mag es wohl ein Lesefehler sein, wenn Jost in seiner „Allgemeinen
Geschichte des israelitischen Volkes,” Band 2, Seite 239, eine persische
Übersetzung des Pentateuchs von R. Jakob Tawos erwähnt. Das hebräische
DltA ist eher Tus zu lesen, arabisch wornach also dieser Übersetzer
aus der Stadt Tus wäre, welche eine berühmte wissenschaftliche Akademie
besass.