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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 9. Band, (Jahrgang 1852)

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G.  L.  P.  Tafel.

Ascet  und  Anachoret  nach  Neigung  und  früher  Wahl  wurde
Theophanes  später  Aht  eines  der  zahlreichen  Klöster,  durch  welche
Bithynien  vor  anderen  Provinzen  des  Reiches  sich  auszeichnete.  Hier
war  es,  wo  sein  Glauhensmuth  auf  die  Probe  gestellt  werden  sollte:
wir  meinen  die  Zeit,  wo  die  Verfolgung  der  altgläubigen  Kirche
durch  Leo  den  Isaurier  eine  hohe  Stufe  erreicht  hatte,  denselben
Kaiser,  welcher  das  Reich  gegen  die  andringenden  Heere  der  nördlichen ­
  und  östlichen  Feinde  klug  und  tapfer  vertheidigte,  aber  wie  sein
Sohn  und  Nachfolger  Konstantinus  Kopronymus  durch  Hinneigung  zum
Purismus  der  neuen  Lehre  von  Mecca  sich  denselben  Verdacht  der
Saracenenfreundschaft  zuzog,  welchem  in  späterer  Zeit  ein  anderer
höherbegabter,  edelsinniger  Fürst,  Friedrich  II.  von  Schwaben,
nicht  zu  entgehen  vermocht  hat.  In  peinliches  Verhör  genommen,
zur  Abschwörung  der  Bilderaifbetung  aufgefordert,  blieb  der  fromme
Hüter  seiner  Mönchsgemeinde  dem  Glauben  der  orthodoxen  Kirche
treu,  und  büsste  seinen  Widerstand  gegen  den  kaiserlichen  Willen  anfangs ­
  durch  längere  Haft  in  einem  Kloster  von  Byzanz,  zuletzt  durch
Einsperrung  auf  der  Felseninsel  Samothrace,  wo  er  bald  sein  Leben
beschloss;  die  Kirche  ehrt  ihn  als  Confessor  unter  ihren  Heiligen.
Zeitgenosse  und  Freund  des  Mannes  war  Georgius,  mit  dem
Zunamen  Syncellus,  ein  Titel,  der  mit  dem  eines  Coadjutors  des
Patriarchen  von  Konstantinopel  —  Tarasius  hiess  der  damalige
gleichbedeutend  ist.  Diesem  Gelehrten  des  achten  Jahrhunderts
verdanken  wir  eine  Universalchronik  von  Erschaffung  der  Welt  bis
zum  Ende  des  dritten  Jahrhunderts,  welche  als  ein  Hauptwerk  für
ältere  Geschichte  und  Zeitrechnung  angesehen  wird,  und  erst  im
Anfänge  unseres  Jahrhunderts  eine  kritische  Beleuchtung  der  zu
Grunde  liegenden  Quellen  durch  G.  G.  Bredow  erhalten  hat;  die
chronologische  Seite  hatte  längst  der  gelehrte  Goar  einer  genaueren
Untersuchung  unterzogen.  Die  von  Georgius  unvollendet  gebliebene
Arbeit  überkam  Theophanes  als  Vermächtniss  des  sterbenden  Freundes; ­
  er  sollte  dieselbe  von  der  Regierung  Diocletian’s  bis  zu  seiner
Zeit  fortsetzen.  Ohne  Zweifel  gelangten  zugleich  die  literarischen
Mittel  in  seinen  Besitz,  aus  denen  Georgius  bereits  geschöpft  hatte
und  noch  ferner  schöpfen  wollte;  wir  lernen  dieselben  aber  bei  ihm
wie  bei  seinem  Vorgänger  nur  aus  gelegentlichen  Anführungen  kennen, ­
  obwohl  dazu  auch  bei  ihm  in  der  Vorrede  die  geeignete  Stelle
gewesen  wäre,  worin  sich  der  Fortsetzer  beider,  Georgius  Cedrenus
            
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