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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 9. Band, (Jahrgang 1852)

Habsburgische  Excurse.

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Meister  Caspar  Wendel  aber,  bei  der  ganzen  Angelegenheit
jedenfalls  wider  die  gelobte  Treue  bandelnd,  wollte  seine  eigene
Person  bei  einem  leicht  möglichen  üblen  Ausgange  sicher  stellen  und
die  Nähe  des  Kaisers  meiden.
Unter  dem  Yorwande,  die  Seereise  nicht  vertragen  zu  können,
bat  er  um  Erlaubniss  den  Landweg  nach  Treviso  einsclilagen  zu
dürfen,  wo  er  die  Reisegesellschaft  erwarten  wolle;  es  ward  ihm  gestattet. ­
  Statt  aber  die  Richtung  nach  Treviso  einzuschlagen,  zog  er
mit  Sack  und  Pack  nach  Verona  und  Trient  zu;  auf  dem  Wege  begegnete ­
  ihm  aber  ein  Eilbote,  der  aus  Mantua  kam  und  dem  Kaiser
die  Flucht  Meister  Caspars  meldete.  Der  Kaiser  liess  ihn  verfolgen
und  er  ward  wirklich  eingeholt,  ausgeplündert  und  zu  Venedig  überliefert; ­
  da  er  seine  Verbrechen  gestand  („omnia  sine  tormentis  confessus”),
  wurde  er  dem  als  päpstlichen  Legaten  fungirenden  Aeneas
Sylvins  zur  Verurtheilung  übergeben.  —  Er  büsste  mit  mehrjähriger ­
  Haft  ‘).

„cognovimus  relatu  vario,  luaiu  pietatem  adversus  nostros  Austriae  subditos
„sententiam  excommunicationis  fulminasse,  quia  nos  e  manibus  Friderici
„Caesaris  eripere  Student,  petimus,  huiusmodi  processus  revocare  non  pigeat
„qui  nobis  damno  sunt:  quod  nisi  feceris,  dabis  nobis  causam  ad
„majores  judices  (?)  provocandi.  Namque  cum  scriptum  sit,  pupillo
„tu  eris  adjutor,  non  Caesari;  non  est  cur  cos  insecteris,  aut  anathemate
„ferias,  qui  de  salute  et  commodo  nostro  solliciti  sunt.  V  ale.”  Der  Hofmeister,
welcher  die  oben  angeführte  Rede  des  Ladislaus  vor  dem  Papste  componirte
und  den  jetzt  citirten  Brief  dictirt  haben  soll,  war  nicht  so  unklug;  das  hiesse
ja  die  eigene  Sache  von  vorne  herein  verderben.
*)  Aeneas  sagt:  „nobis  tandem  judicandus  traditus  est:  et  usque  in  hanc  diem
„(1455?)  in  carcere  custoditur.”  —  Sein  Schicksal  ist  dunkel.  —  Sein
Zögling,  König  Ladislaus,  wird  wohl  nach  seiner  Befreiung  von  der  Vormundschaft ­
  sich  für  ihn  verwendet  haben,  aber  wie  es  scheint  mit  wenig
Erfolg.  —  Auffallend  ist,  dass  Ladislaus  seine  Pfarre  Gars  so  bald  einem
Andern  gab.  —Nach  Lichnowsky  (VIII,  Regesten,  Nachträge  1810  h,  Hol'-kammer-Archiv)
  übergab  K.  Ladislaus  bereits  am  16.  Juli  1453  in  Brünn
die  Pfarrkirche  zu  Gars  als  Patron  und  Lehensherr  seinem  Kanzler
Stephan  Sloth  „da  maister  Caspar  Wendl  pliarrer  zu  Gors  an  (?)  ettwe-„lang
  mit  bekummernuss  seins  leibs  umbfangen  gewesen,  und  noch,  und  nicht
„gewisse  zeit  seiner  erledigung  ist.’’  —  Dass  er  zur  Zeit  des  Todes  seines
ehemaligen  Zöglings  (also  Ende  1457)  noch  gefangen  gesessen  und  zwar
in  einem  ganz  unbekannten  Orte,  geht  aus  dem  von  mir  aus  einer  Münchnei
Handschrift  (Cod.  lat.  mon.  Nr.  4016,  Fol.  45)  mitgetheilten  Klageschreiben
            
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