Habsburgische Excurse. 273
Ehe wir von den Versuchen der österreichischen und ungrischen
Abgesandten nach Rom, den Papst für ihre Unternehmung zu
gewinnen und ihren jungen Erbherrn zu entführen, das Wenige was
wir davon wissen mittheilen, müssen wir die päpstlichen Bullen näher
betrachten, welche der Kaiser noch vor ihrer Ankunft gegen seine
Widersacher erlangt hatte.
Da er wusste, dass insbesondere der Klerus lebhaft Partei
gegen Ihn nahm, so dachte Er daran, wenigstens die heftigsten Mitglieder
desselben unschädlich zu machen.-— Papst Nicolaus V.
gestattete in zwei Bullen, beide vom 22. März 1452, dem Kaiser,
der ihm vorgestellt hatte, dass mehrere geistliche Personen selbst
vom Priesterstande gegen seine Majestät sich aufgelehnt und solchen
angeschlossen haben, welche gegen Ihn conspirirten und rebellirten,
auch durch verschiedene Verleumdungen Ihn zu beschimpfen sich
nicht scheuten, und von diesem Verfahren ohne Zwang schwer-„futurum.
Maxime igittir anxius erat, uti Ladislaus Caesaris manum quam-„primum
exiret.” — Caspar Wendel wurde nach dem Tode des österreichischen
Kanzlers Johann Meires (-J- 1450 s. Kirchl. Topographie XV, 48)
Pfarrer zu Gars, als solcher wird er erwähnt in einer zu seinen Gunsten
ausgestellten Urkunde vom 7. Mai 1451. Thomas Gerolt nämlich, Rector
der ewigen Messe am St. Katharinen - Altar in der St. Stephanskirche zu
AVien (,.cuius ius presentandi ad nobilem Sigismundum Staimpekli dinoscitur
pertinere”) bestellt den Pfarrer zu Probsdorf, Michael Klingen stein
Baccalaureus („in deeretis”) als seinen Procurator, um in seinem Namen
seine Pfründe zu resigniren zu Gunsten eines Andern. Der Patron soll praesentiren
„venerabilem artium liberalium magistrum D. Caspar um Vendl,
Plebanum in Gars et nullum alium” — „Acta sunt hec Wienne Pataviensis
„diöcesis in domo aciali retro Collegium Juristarum, solita habitatione
„D. Michaelis procuratoris antedicti.” — Die Zeugen des Notariatsinstrumentes
(Orig, auf Perg. im Haus- und Staatsarchive) sind: „honorabiles et
„discreti viri Wolfgangus Vierling, Plebanus in Manswerd d. d. presbiter et
„Sigismundus Käppler de Erding laicus literatus Frisingensis dioecesis.’’ —
Dieser Caspar AA^endel heisst zuweilen auch Caspar von Krotendorf (?) wahrscheinlich
seinem Geburtsorte, so wie Thomas von Haselbach eigentlich
Ebendorf er hicss. Wäre die Geschichte der wichtigen Pfarre Gars,
welche so häufig als Dotation der österreichischen herzoglichen Kanzleiherren
dienen musste, in der kirchlichen Topographie bereits bearbeitet, so würden
wir vielleicht über den Antritt der Pfründe durch Meister Caspar, der ohne
Zweifel einen Vicarius hielt, näheren Aufschluss erhalten haben. Über sein
Schicksal folgen weiter unten einige Andeutungen.