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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 9. Band, (Jahrgang 1852)

Parallelen  »wischen  politischen  und  materiellen  Baulen.  22»?
und  beschaut,  so  zerstört  er  auch  gewöhnlich  wieder  die  mobile
Anlage  und  übt  die  Lust  zu  bauen  von  Neuem  aus.
Mit  Zunahme  der  Kraft  und  der  Mittel  wächst  auch  das  Verlangen ­
  und  Bemühen  des  Menschen,  die  Naturgaben  immer  besser  für
seine  Zwecke  zu  formen  und  zu  verwenden.  Dieser  Trieb,  weit  entfernt ­
  auf  Unbeständigkeit  und  Wankelmuth  zu  deuten,  ist  vielmehr
ein  erfreuliches  Zeugniss  von  dem  unschätzbaren  Geschenk,  das  die
Gottheit  dem  Menschen  mit  auf  die  Welt  gab,  damit  er  seinen  äusseren ­
  und  inneren  Zustand  der  Vervollkommnung  immer  näher  bringen
könne.  Auf  diesem  Wege  verliess  er  seine  Strohhütte,  die  ihn  kaum
gegen  Witterung  und  wilde  Thiere  schützen  konnte,  und  bezog  ein
geräumiges,  gut  eingerichtetes  Haus;  beseitigte  den  hölzernen  Teller
und  setzte  kostbares  Geschirr  an  dessen  Stelle.  Was  die  Altvorderen
ohne  Plan  und  Ordnung,  ohne  Rücksicht  auf  Bequemlichkeit  und
Gefälligkeit  gebaut,  das  tragen  ihre  Nachkommen  allmählich  ab,  und
schönere  Wohnplätze  gehen  aus  ihrer  Hand  hervor.  Wo  einst  Tausende ­
  von  Händen  nöthig  waren,  um  die  Bekleidungszeuge  zu  produciren,
  da  arbeitet  jetzt  eine  einzige  Werkstätte,  und  versieht
ganze  Bezirke  mit  schönen  und  wohlfeilen  Waaren.  Und  welche
Wunder  in  dieser  Beziehung  die  neuere  Zeit  herzustellen  verstand,
beweiset  der  in  der  Luft  gespannte  Drath,  durch  den  man  in  weite
Fernen  spricht,  beweiset  die  treue  Zeichnung,  die  man  mit  Hilfe  des
Lichtes  an  einer  Platte  macht,  und  beweiset  die  bewältigende  Handhabung ­
  der  Dampfkraft,  die  sich  der  Mensch  auf  meisterhafte  Art
dienstbar  zu  machen  wusste.
Aber  nicht  bloss  auf  dem  physischen,  auch  auf  dem  politischen
Gebiete  ist  das  Bauen  ein  bleibendes  Geschäft  geworden.  Seit  dem
Beginn  der  Staaten  zeigt  die  Geschichte  ein  ewiges  Umstalten  der
politischen  Zustände,  ein  unaufhörliches  Fortbilden  des  bürgerlichen ­
  Vereines,  von  dessen  weiten  Kreisen  alle  Güter  des
menschlichen  Lebens  umschlossen  sind.  Obgleich  derselbe  eine
zweifellose,  allgemein  anerkannte  Forderung  der  Vernunft  ist,  und
auch  dessen  Grundlagen  durch  die  Bedürfnisse  der  menschlichen
Natur  im  Wesentlichen  schon  gezeichnet  sind,  so  ist  doch  die  Entwickelung ­
  desselben  nach  Zeit  und  Ort  sehr  ungleich  ausgefallen.
Wie  das  Rechtsgebiet  gehörig  abgegrenzt,  wie  das  Mass  der  Pflichten
und  die  Leistungen  der  Staatsangehörigen  am  richtigsten  bestimmt,
und  wie  die  oberste  Macht  im  Staate  gestellt  und  ausgestattet  werden
            
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