Stab und Ruthe im Mittelalter.
199
Nächst der Ruthe kam auch die Geissei zur Anwendung 59 ), auch
verschmähete man nicht für correctionelle Zwecke von der Gerte
Gebrauch zu machen °°).
Mit derselben Strenge mit der man gegen die eigenen Kinder
verfuhr, mit der gleichen ging man gegen das gesammte Hausgesinde
vor"'); Knechte wurden mit Gerte oder Ruthenbesen zurechtgewiesen
63 ) und selbst Mägden liess man seine Streiche empfinden 63 ).
öjirft’t, mcldjess Cie 5twti Hiutter semafjr tunrC «nC gal’ mir einen
^titelt JS» d) i 11 i 1t $ • Hans v. Schweinichen 1, p. 26. edt. Büsching. cnf.
Anmerk. 62.
59 ) Si unam cuppam, aut unam cellam tuam — cogitas dimittere filio tuo, et
ne perdat illud, erudis eum, et flagellis eum ad disciplinam corrigis.
S. Augustin, (i 430) Enarat. in psalm. op. 4, 612, b. cnf. ibd. 946, b.
60) Ulnfttnger im |ub »erte
ba3 benne ein fmankel gerte
tritt argen kinben bridjet »el.
Wolfr. v. Eschenb. Parziv. str. 174, 7, p. 90. cnf. Anmerk. 62.
Mientan kan mit garten
kinbeb dul)t bewerten:
trcn man deren bringen mac,
bem i|i eilt a a r t alb eilt flac.
Walt. v. d. Vogelweid. p. 87, v. 1. cnf. Anmerk. 100.
61) cnf. Du Cange gloss. v. flagellatio u. Wilda Strafrecht d. German. 1, 654.
63) Cumque servum, ut exerceret operam commoneret, elevataque virga
ictibus verberaret, ille extracto balthei gladio dominum sauciare non metuit.
Gregor Tur. (f 594) Histr. cl. 371, c. edt. Ruinart.
gia3 tmergelin mit einem [läge
er sa|le uber3 Raubet flitot.
Ulrich V. Türheim (c. 1236) Tristan, p. 535, 1. 5. edt. Massm.
Jio wart im er|t ein bc fern flac.
Seifr. Helbling. edt. v. Karajan, Zeitschrft. f. deut. Altert. 4. p. 87, v. 118.
cnf. ebd. v. 130, v. 142, v. 176.
fn l)ie3 Cer ljerre |tn anber ge(inbe
mit 3r»ein (leben fie nil fminbe
flaljen bid in ben grimmen tat.
Hug. v. Trimb. (c. 1300) Renner. V. 8136, p. 97.
gäbe 3itl)t an bttne gefinbe,
an albe unt an kinbe,
mit flad) bin kint mit einte rife.
Spiegel d. Tugend, in Haupt Altd. Blatt. 1, 94, v. 145.
63 ) Eine Frau will ihre Mägde die des Samstag Morgens vom Hause gingen um
ihr Gebet am Grabe der heil. Opportuna zu verrichten mit der Geissei schlagen.