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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 9. Band, (Jahrgang 1852)

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Georg  Zappert.

Allein  für  die  Ansicht  Hrn.y.  Kar  aja  n’s  (p.  5),  der  mit  Wackernagel ­
  in  jenem  Stabe  die  Körperstütze  des  Greises  sieht,  streitet  zum
Tlieil,  wenn  auch  nicht  unbedingt  das  Wort,  so  doch  die  antithetische
Fassung  dieser  Zeilen:
66.  33.  fett  ttttd)  an  citttc  ftabe  gän
mtb  werben  ttntbe  werbekett
mit  unnerjageter  arrebett,
als  id)  non  fliubc  Ijabe  getan
|o  bin  id)  bad),  fwie  niber  id)  ft,  ber  werben  ein
gemtoc  in  rniner  ntfoe  I)ö.
„stab”  und  „kind”  setzen  sich  hier  gleich  „nider”  und  „lio”
augenscheinlich  einander  entgegen.  Wir  dürften  daher  nicht  allzuweit ­
  vom  Wege  der  Wahrheit  abirren,  wenn  wir  uns  zur  Annahme
verstehen,  dass  der  Dichter  an  dieser  Stelle  in  „stab”  sich  Reise-  und
Altersstab  vereint  gedacht  habe.
Wir  bemerkten  früher  (Anmerk.  5—9),  dass  auch  geistliche
Personen  sich  auf  Reisen  der  Stäbe  bedienten.  Aber  kränklichen  und
schwächlichen  Mönchen  war  es  gestattet,  sich  auch  während  des  Kirchendienstes ­
  auf  Stöcke  zu  stützen.  Äbte  strenger  Observanz,  welche
darauf  hielten,  dass  man  nach  altem  christlichen  Rrauch  stützelos
aufrecht  stehend  sein  Gehet  verrichte,  traten  dem  Gebrauch  der
Stehstäbe  verbietend  entgegen.  In  der  Reschwerdeschrift,  mit  welcher ­
  die  Mönche  des  Klosters  Fulda  klagend  gegen  ihren  Abt  Ratgar
auftreten  (im  J.  811)  wird  diesem  auch  vorgeworfen,  dass  sein  rücksichtsloser ­
  Rigorosismus  so  weit  gehe,  dass  er  selbst  alten  und
schwächlichen  Rrüdern  sich  der  Stütze  des  Stabes  zu  bedienen  nicht
zulassen  wolle  13 ).  Alten  und  reconvalescirenden  Mönchen  war  daher
warnte  fo  ie  gro33er  wirbikeit
an  einen  ntenfdjen  wirt  geleit.
Itug.  v.  Trimb.  Renner  v.  870,  s.  17.  cnf.  v.  2694,  v.  3950,  v.  4962,
v.  15478,  v.  15695,  v.  16383,  v.  16423,  v.  16795,  v.  17580,  r.  18934,
v.  19354,  v.  19769,  v.  22782.
UDerbekeit  scheint  demnach  in  der  überwiegenden  Zahl  der  Fälle  seines
Vorkommens  mehr  zur  Bezeichnung  ethischer  als  religiöser  Tüchtigkeit  gewählt ­
  worden  zu  sein.
13 )  Quod  infirmorum  maior  cura  sit  et  miseratio,  senum  videlicet  et  debilium  —
nec  ineptiis  aliquibus  vexentur,  ita  ut  nec  baculum  eis  pro  sustentatione
ferre  liceat  —  Quia  coecus  et  claudus  non  possunt  sine  sustentatione
baculi  bene  incedere.  Libel.  supl.  monach.  F'uld.  ap.  Brow.  antiq.  Fuld.
p.  212.  Schannat.  histor.  Fuld.  P.  2,  p.  84.
            
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