90
Siegel.
dürfen — und 100 man morgengab gibt, derselben morgengab
halben weg als vill als des zuegebrachten heuratguetes oder darbei
sein solle, Entwurf der Landesordnung' Bl. 45 a . Wiewohl
das erlaubte Mass sehr beträchtlich war im Vergleiche zu dem
in dem benachbarten Baiern gütigen, 1 so scheint dasselbe
dennoch vielfach und ganz bedeutend überschritten worden zu
sein, wie sich aus der Rechtsweisung in Rauris ergibt, welche
im Jahre 1565 gegen solche Uebertreibungen folgender Massen
ankämpfte: Auch sollen die morgengaben nit so gross gemacht
werden als edlich zeit beschechen sind, wenn es kumbt oft, daz
es den kinden auch frevnten zu grosser beschwärung reicht; demnach
ist nit unbillich, daz es gehalten werd toie anderstwo bei
stetten und märkten auch auf dem land, als: wann aine ainem
bringt zu heiratguet vierzik pfund pfening und er widerlegt ir
auch so vil und daz er ir vermach beileißg bei zwainzig oder
dreissig pfund pfening oder auf daz maist neben der ividerlegung
zu freier morgengab, und die morgengab ist nit von ivegen
der grossen heiratguet erfunden und aufgesetzt. 2
Abgesehen von der wechselnden Grösse des Geschenkes,
die hiernach von Fall zu Fall sich bestimmte, gab es im Erzstifte
zwei Arten der Morgengabe, die gemeinübliche, 3 welche
hier die ,freie 1 , ,freie und ledige 1 oder die ,freie landläufige 1
genannt wurde, 3 und die ,nach dem Landrecht 1 , welche dem
Lande Salzburg und Niederbaiern eigentümlich war. Mit
Rücksicht darauf, heisst es in dem Kessendorfer Landrecht
S. 43 14 : Item wo ain frau ihr morgengab mit recht bestatten
mieste, so soll si — — schiceren ainen aid, dass ihr der mann,
ihr hauswürth, die morgengab also frei oder nach dem lands-1
Wo nur der zehnte Theil des Heirattisgutes (Freisinger Stadtrecht) des
zu einander gebrachten Gutes (Landshuter Kecht), des Gutes des Mannes
(Bairisches Landrecht und Münchner Stadtreeht) gegeben werden durfte.
Schröder a. a. 0. S. 38. 39.
2 Salzburger Taidinge S. 217 42 — 218 '. — Vgl. ausserdem den Entwurf
der Landesordnung Bl. 45 b S. 88 in Note 1.
3 Vgl. wegen Oberbaiern Schröder a. a. 0. II, 2, S. 43 f.; wegen Oberösterreich
Weingärtler, con- et discordantia iuris prov. Austriaci supra
Anasum 1674, p. 103.
4 Vgl. ausser den unten auzuführenden Taidingen das Formelbuch Bl. 129“,
159“.