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Hofier.
Bildung viel weiter in das Mittelalter hineinreicht, als man
gewöhnlich annimmt, und andererseits ist man längst davon
abgekommen, das Wiedererwachen der Wissenschaften mit
der osmanischen Eroberung Constantinopels in Verbindung zu
bringen. Schon wird als Renaissancezeitalter das Jahrhundert
Giotto’s, Dante’s, Petrarca’s und ihrer für die Antike empfänglichen
Zeitgenossen, somit das XIV., die avignonesische
Periode bezeichnet. Von zwei Seiten, möchte ich sagen, wird
ein Tunnel in das sogenannte finstere Mittelalter getrieben, und
wie lange wird es dauern und man wird die lebensvollsten
Keime des XIV. Jahrhunderts im XIII. entdecken, dessen gesammte
Bildung Dante in sich aufnahm, so dass er, wenn
man diese nicht kennt, unverständlich bliebe. Je mehr diese
Grubenarbeit fortgeführt wird, desto mehr werden nicht etwa
Schlacken zu Tage gefördert werden, sondern die Verbindung
zweier Welten sich ergeben, der modernen und der antiken,
römisches Papstthum, römisches Kaiserthum, römisches
Recht und lateinische Sprache als die Mittelglieder einer
grossen Kette welthistorischer Begebenheiten, ja welthistorischer
Perioden erscheinen.
Dass das XII. Jahrhundert seinem ganzen Inhalte nach
das volle Gepräge dos Mittelalters besitze, wird Niemand bestreiten
wollen. Aber gerade dieser Inhalt ist ungewöhnlich
reich. Der Untergang der fränkischen Kaiser, das Emporkommen
der schwäbischen Staufer auf den Kaiserthron, den
sie erblich zu behaupten suchen, die Zertrümmerung der grossen
Herzogthümer im deutschen Reiche, nachdem zuerst die Macht
der Welfen in Baiern und Sachsen grossgezogen worden war,
Böhmen ein Königreich, Oesterreich ein Herzogthum wurde
und durch die Verbindung mit dem Herzogthume Steiermark
der Grund zur nachfolgenden Vereinigung der österreichischen
Länder gelegt worden war; die Erwerbung Siciliens durch die
Staufer und damit der Versuch, eine südeuropäische Macht zu
begründen, zugleich der Anfang der heillosesten Zerwürfnisse
zwischen Päpsten und Kaisern, als das päpstliche Lehen der
sicilianischen Krone mit der unabhängigen Kaiserkrone verbunden
wurde; die Uebermacht des Kaiserthums durch Heinrich
VI., welcher auch den König von England zwang sein
Vasall zu werden, und der Anfang des deutschen Königs-