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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 99. Band, (Jahrgang 1881)

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Hofier.

Bildung  viel  weiter  in  das  Mittelalter  hineinreicht,  als  man
gewöhnlich  annimmt,  und  andererseits  ist  man  längst  davon
abgekommen,  das  Wiedererwachen  der  Wissenschaften  mit
der  osmanischen  Eroberung  Constantinopels  in  Verbindung  zu
bringen.  Schon  wird  als  Renaissancezeitalter  das  Jahrhundert
Giotto’s,  Dante’s,  Petrarca’s  und  ihrer  für  die  Antike  empfänglichen ­
  Zeitgenossen,  somit  das  XIV.,  die  avignonesische
Periode  bezeichnet.  Von  zwei  Seiten,  möchte  ich  sagen,  wird
ein  Tunnel  in  das  sogenannte  finstere  Mittelalter  getrieben,  und
wie  lange  wird  es  dauern  und  man  wird  die  lebensvollsten
Keime  des  XIV.  Jahrhunderts  im  XIII.  entdecken,  dessen  gesammte
  Bildung  Dante  in  sich  aufnahm,  so  dass  er,  wenn
man  diese  nicht  kennt,  unverständlich  bliebe.  Je  mehr  diese
Grubenarbeit  fortgeführt  wird,  desto  mehr  werden  nicht  etwa
Schlacken  zu  Tage  gefördert  werden,  sondern  die  Verbindung
zweier  Welten  sich  ergeben,  der  modernen  und  der  antiken,
römisches  Papstthum,  römisches  Kaiserthum,  römisches
Recht  und  lateinische  Sprache  als  die  Mittelglieder  einer
grossen  Kette  welthistorischer  Begebenheiten,  ja  welthistorischer
Perioden  erscheinen.
Dass  das  XII.  Jahrhundert  seinem  ganzen  Inhalte  nach
das  volle  Gepräge  dos  Mittelalters  besitze,  wird  Niemand  bestreiten ­
  wollen.  Aber  gerade  dieser  Inhalt  ist  ungewöhnlich
reich.  Der  Untergang  der  fränkischen  Kaiser,  das  Emporkommen ­
  der  schwäbischen  Staufer  auf  den  Kaiserthron,  den
sie  erblich  zu  behaupten  suchen,  die  Zertrümmerung  der  grossen
Herzogthümer  im  deutschen  Reiche,  nachdem  zuerst  die  Macht
der  Welfen  in  Baiern  und  Sachsen  grossgezogen  worden  war,
Böhmen  ein  Königreich,  Oesterreich  ein  Herzogthum  wurde
und  durch  die  Verbindung  mit  dem  Herzogthume  Steiermark
der  Grund  zur  nachfolgenden  Vereinigung  der  österreichischen
Länder  gelegt  worden  war;  die  Erwerbung  Siciliens  durch  die
Staufer  und  damit  der  Versuch,  eine  südeuropäische  Macht  zu
begründen,  zugleich  der  Anfang  der  heillosesten  Zerwürfnisse
zwischen  Päpsten  und  Kaisern,  als  das  päpstliche  Lehen  der
sicilianischen  Krone  mit  der  unabhängigen  Kaiserkrone  verbunden ­
  wurde;  die  Uebermacht  des  Kaiserthums  durch  Heinrich ­
  VI.,  welcher  auch  den  König  von  England  zwang  sein
Vasall  zu  werden,  und  der  Anfang  des  deutschen  Königs-
            
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