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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 99. Band, (Jahrgang 1881)

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Siegel.

In  Betreff  der  Rechtsverhältnisse  nach  Auflösung  der
Ehe  durch  den  Tod  eines  Gatten  war  in  mehreren  Gerichten
bei  der  Aufzeichnung  des  Landbrauches  ein  Artikel  aufgenommen ­
  worden.  So  im  Pfleggericht  Altenthan  S.  27  12  bis
28  10 :  Item  ivie  die  heirathen  gemacht  solln  werden  nach  den  landsrechten ­
  ze  Salczhurg:  was  ainer  oder  aine  zu  heirath  bringt,
wenig  oder  vill,  soll  dem  andern  widerlegt  werden  mit  so  vill,
und  sollen  gefertigt  werden  (ze  pöth  und  tisch,  das  si  neben  ir
genossen  mit  ehrn  ze  Mir  dien  und  ze  gassen  geen  mögen);  und
welches  vor  dem  andern  ehe  mit  todt  abgieng,  sie  heten  ehelich
leiblich  erben  mit  ainander  oder  nit,  so  soll  und  mag  das  ander
ir  haab  und  guet  besiczen  und  innenhaben,  dieweil  es  sein
wittibstuell  nit  verkert,  sein  leben  lang  nuczen  nach  seiner  notdurft,
  wurde  aber  der  wittibstuel  verkert,  so  soll  es  aiß  dem
guet  gefertigt  werden  laut  irs  lieiraths,  doch  das  ain  avfzaigen
geschech  umb  die  Widerlegung  oder  neme  aine  verlorn  gelt;  gienge
si  aber  baide  an  leibserben  mit  todt  ab,  so  soll  ir  iedweders  heirathguet
  hinwider  gefallen  auf  ihr  iedes  negst  freund  und  erben,  davon
es  herkomen  wahr,  nach  den  landsrechten;  Hessen  si  aber  ehelich
leiblich  erben  hinder  innen,  die  sollen  und  mügen  alsdann  alles
ir  baider  haab  und  guet  eiben  gleich  nach  den  landsrechten.
Ferner  in  dem  Gerichte  zu  Kessendorf  S.  38  0-18 .:  Item  wer
heirath  nach  dem  landrechten  und  bringt  ein  heirathguet  zu  seinem
ehevogt,  grund  oder  vahrunds  guet,  geicinnen  si  erben  mit  einander,
die  erben  ihr  baider  guet;  gehet  aber  ain  leib  an  erben  ab,  so
soll  die  ander  lebentig  persohn  des  verstorbnen  guet  sein  lebenlang
unverkomert  inhaben,  gebrauchen,  nuczen  und  messen;  ivann  si
aber  beede  mit  todt  abgangen  und  ihr  kaines  mehr  im  leben  verbanden
ist,  alsdann  soll  aines  ieden  guet  widergehen  und  hairnbfallen
auf  die  nechsten  erben,  davon  es  herkommen;  wolt  aber  auß  den
colinleiten  ihr  aines  den  wittibstuel  nit  behalten,  sondern  widerumben
heirathen,  so  soll  man  des  verstorbnen  freunden  desselben  guet
vorhin  genuegsamb  aufzaigen,  sondern  und  dermass  auf  legen,  daß
man  den  freunden  daß  guet  nit  in  vrrung  bring,  auf  daß  si
schlichet  —  sein  hausfraw  umb  solch  ir  vermacht  und  annder  ir  zuebracht
guet  zuvergwissen  mit  purgen  oder  varündter  phanntung,  danit  si  wiß  des
jren  sicher  zu  sein.  —  lieber  die  Entziehung  der  Vogtei  vgl.  Kraut,  Vormundschaft ­
  2,  565—569,  ßive,  Vormundschaft  2,  S.  132—135,  Schröder
a.  a.  O.  S.  149-151.
            
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