Die Kunamu-Spracho in Nordoul-Afrika.
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Der alte Glaube der Kunaraa geht diesem Gottesbegriff
noch nebenher und zeigt allein eine tiefere und praktische
Bedeutung für das Volk. Er äussert sich in der ehrfurchtsvollen
Betrachtung des Himmelsgewölbes, höra (bei den Barea
nere) genannt. Der Himmel spendet Regen, um die von der
Sonne versengten Felder zu tränken und wieder zu beleben,
die nothwendige Vorbedingung für das Gedeihen der Ackerbau
und Viehzucht treibenden Kunama. Diesem sichtbaren Himmel,
der hinter der blauen Decke den Regen birgt, wird allein eine
bestimmte Sorgfalt zugewendet, damit er zu seiner Zeit den
wohlverwahrten Regen ausströmen lasse.
Dieses Amt, auf den Himmel einzuwirken, versieht für
das Volk ,der Regenherr' (aula mdnna), welcher in Folge
dieses Berufes als eine Art geistliches Oberhaupt der Kunama
angesehen werden kann; doch besitzt derselbe in keinerlei
Weise irgend welchen Einfluss auf das Volk. Er bewohnt
mit seiner Familie den Berg Koita bei Betkom, und seine
Durrafelder werden ihm daselbst alljährlich vom Volke bestellt,
damit er sich ausschliesslich nur seinem geistlichen Berufe
widmen könne.
Die Functionen des Regenherrn nehmen ihren Anfang
um die Mitte des Monats März mit dem Nationalfeste köwa, 1
dem einzigen Feste der Kunama, das vier Tage hindurch gefeiert
wird. Es ist dies das Ernte- und zugleich Neujahrsfest
der Kunama und wird auf dem Koita, dem Sitze des Regenherrn,
begangen. Allgemeine Urfehde im Lande zur Zeit des
Festes ermöglicht den Zusammenfluss des Volkes aus allen
Gegenden, um an der Feier theilnehmen zu können. So ziehen
dann die Leute aus allen Gauen und Ortschaften herbei, versehen
mit reichen Lebensmitteln, und verbringen die festlichen
Tage bei munterem Spiel, Sang und Tanz. Dem Regenherrn
werden bei diesem Anlasse beträchtliche Geschenke gebracht,
indem jedes Dorf ihm ein freiwilliges Deputat an Vieh, Korn,
Butter, Honig und Kleidungsstücken als Ehrengaben zuführt.
An einem dieser Tage wird auf dem freien Platze vor
dem Hause des Regenherrn ein Bassin ausgegraben und dann
1 Passive Nominalform ko-ü-a (s. §. 57, 113 und 122) vom Verb ü intrare
(§. G3) weil an diesem Feste, wie ans dem Folgenden ersehen werden
wird, der Himmel vom Regenherrn erstürmt wird.