Skip to main content Jump to sidebar

Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 98. Band, (Jahrgang 1881)

886

Krall.

auch  jetzt  wieder  geschehen  würde,  wenn  die  Zusammensetzung ­
  des  Jahres  aus  den  360  Tagen  und  den  5  Tagen,
welche  später  noch  hinzuzufügen  gebräuchlich  wurde,  so  fortdauert, ­
  von  jetzt  an  ein  Tag  als  Fest  der  Götter  Euergeten
alle  vier  Jahre  gefeiert  werde  hinter  den  fünf  Epagomenen
(und)  vor  dem  neuen  Jahre,  damit  Jedermann  wisse,  dass  das,  was
früher  in  Bezug  auf  die  Jahreszeiten  und  das  Jahr  und  des  hinsichtlich ­
  der  ganzen  Himmelsoi’dnung  Angenommenen  fehlte,  durch  die
Götter  Euergeten  glücklich  berichtigt  und  ergänzt  worden  ist.'
Es  bleibt  noch  eine  wichtige  Frage  zu  erledigen,  die
Frage  nach  dem  Normaltage  des  Siriusaufganges.
Den  heliakischen  Aufgang  des  Sirius  beobachtete  man  in
Aegypten  während  der  zweiten  Hälfte  des  Juli,  bei  der  Längenausdehnung ­
  über  etwa  sieben  Breitengrade,  welche  Aegypten
einnimmt,  an  verschiedenen  Orten  verschieden: 1  am  frühesten
an  der  Südgrenze  in  Syene,  am  spätesten  an  der  Nordküste  in
Alexandria,  dort  am  16.,  hier  am  23.  Juli.  Wir  haben  sonach
einen  Spielraum  von  sieben  Tagen  vor  uns;  wenn  daher  auf
irgend  einer  Inschrift  ein  Kalendertag  als  Tag  des  Siriusaufganges ­
  angegeben  wird,  so  entsteht  sofort  die  Frage,  ob  wir
an  den  Siriustag  von  Heliopolis,  Memphis,  Theben,  Syene
u.  s.  w.  zu  denken  haben.
Bei  dem  Umstande,  dass  die  einzelnen  grossen  Tempel
von  einander  ganz  unabhängig  waren,  ihre  eigenen  Festordnungen
besassen  —  selbst  unter  dem  strammen  Begimente  der  Ptolemäer ­
  wurden  bei  der  Einführung  des  festen  Jahres  nur  die
SijiAorsXeti;  wavvjYups'.?,  die  Feste,  die  im  ganzen  Lande  gefeiert
wurden,  ins  Auge  gefasst,  die  Localfeste  dem  Belieben  der
einzelnen  Priesterschaften  überlassen  —  scheint  uns  die  Annahme, ­
  sie  hätten  auch  ihre  eigenen,  den  thatsächlichen  Verhältnissen ­
  entsprechenden  Siriustage  gehabt,  zu  verdienen  zum
Mindesten  ernstlich  erwogen  zu  werden.  Denn  da  es  sich
zeigt,  dass  sogar  das  Herankommen  der  Nilfluth  in  den  verschiedenen ­
  Nomen  verschieden  gefeiert  wurde, 2  so  wird  man
wohl  auch  in  Philae  nicht  auf  den  Siriustag  von  Heliopolis  gewartet ­
  haben,  umsomehr,  als  der  heliakische  Aufgang  des  Sirius
hauptsächlich  von  den  Priestern  gefeiert  wurde.
1  Unger,  Chronologie,  p.  45.
2  Cf.  den  oben  angeführten  Text  von  Edfu,  p.  839.
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.