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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 98. Band, (Jahrgang 1881)

882

Krall.

Chronologie,  die  einen  etwa  viertausendjährigen  Zeitraum  vor
sich  hat,  eine  grosse  Rolle.  Bald  nach  Beginn  des  vierten  Jahrtausends ­
  v.  Chr.  ging,  wie  oben 1  bemerkt,  der  Sirius  fünf
Tage  vor  der  Sommer-Sonnenwende,  also  am  Tage  des  Beginnes
der  Fluth  heliakisch  auf.  In  der  Zeit  dagegen,  als  die  festen
Jahre  von  Tanis  und  Alexandria  eingerichtet  wurden,  ging  der
Sirius  etwa  einen  Monat  nach  dem  Beginne  der  Nilsehwelle
auf,  während  er  zur  Zeit  der  Thutmosiden  etwa  15  Tage
nach  dem  Beginne  der  Nilfluth  aufgegangen  war.
Wir  sehen,  wenn  die  Aegypter  zur  Zeit,  als  sie  ihren
Kalender  einrichteten,  den  Vortheil  hatten,  dass  Siriusaufgang
und  Beginn  der  Nilschwelle  zusammenfielen,  welcher  Umstand
sie  bei  der  Bestimmung  der  Länge  des  wahren  Sonnenjahres
sehr  förderte,  so  war  dies  in  der  Zeit  der  Thutmosiden,  geschweige ­
  denn  in  der  Ptolemäerzeit,  nicht  mehr  der  Fall. 2
So  trat  an  sie  die  gewiss  schwere  Frage  heran,  wie  sie
einerseits  der  Ueberlieferung,  anderseits  den  Thatsachen,  die
sich  inzwischen  kosmisch  vollzogen  hatten,  gerecht  werden
sollten.
Die  Monumente  müssen  uns  Aufschluss  darüber  geben,
wie  sie  vorgingen,  welchem  der  beiden  Ereignisse  sie  den  Vorzug ­
  gaben,  als  Angelpunkt  des  Jahres  zu  dienen.  Mit  Recht
bemerkt  Lepsius  in  seiner  Vorrede  zum  Decrete  von  Canopus, 3
,dass  der  Tag  des  Sothisaufganges  nicht,  wie  vielfältig  geglaubt
worden  ist,  schon  früher  und  von  altersher  ein  allgemeines  Fest
gewesen  war,  sondern  nur  von  den  Priestern  gefeiert  wurde'.
Dem  tritt  bestätigend  zur  Seite  der  Kalender  von  Esne.
Lauth  hat  zuerst  darauf  aufmerksam  gemacht, 4  dass  wir
im  Kalender  von  Esne  das  alexandrinische  Jahr  vor  uns  haben,
er  hat  zugleich  auch  dieBedeutung  der  drei  in  demselben  erwähnten
Neujahrsfeste  erörtert.  Das  eine  derselben,  das  vom  9.  Thoth,
gehört  dem  Wandeljahre  an,  wie  die  hinzugefügte  Bestimmung
,Jahr  der  Vorfahren'  lehrt; 5  das  andere,  das  vom  1.  Thoth,  ist

1  p.  877  fl.
2  Riet,  Thierkreis  von  Dendera,  p.  10  fl.
3  p.  13.
4  In  dem  oben  p.  857  A.  3  angeführten  Aufsatze.
5  Cf.  p.  853.
            
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