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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 98. Band, (Jahrgang 1881)

880

Krall.

liegt  uns  nicht  etwa  ein  unter  Ramses  II.  eingerichtetes  festes
Jahr  vor,  sondern  es  liegt  uns  in  demselben  das  Normaljahr
der  Vorzeit  vor,  das  Wandeljahr,  wie  es,  um  mich  der  oben
angeführten  Worte  Dschewharis  1  zu  bedienen,  im  ersten  Jahre
seiner  Einrichtung  galt,  das  Jahr,  wie  es  galt,  als  die  Aegypter
zwei  unliebsame  Beobachtungen  noch  nicht  gemacht  hatten:
Einmal,  dass  das  Jahr  von  365  Tagen  der  Wirklichkeit  nicht
entspreche,  sondern  sich  alle  vier  Jahre  um  einen  Tag  gegen
die  Jahreszeiten  verschiebe,  und  dann,  wozu  sie  freilich  eine  viel
längere  Zeit  gebraucht  haben,  dass  der  Tag  des  Siriusaufganges
nicht  mehr  mit  dem  Beginne  der  Nilschwelle  Zusammenfalle.
Zu  demselben  Ergebnisse  führt  uns  die  Betrachtung  der
Feste,  die  im  Kalender  von  Medinet-Abu  verzeichnet  sind.  Es
sind  fast  ausnahmslos  die  Feste,  2  welche  wir  in  unserer  früheren
Untersuchung  der  Kalender  von  Edfu  und  Esne  als  an  denselben ­
  Tagen  haftend  kennen  gelernt  haben.  Wir  kennen
bereits  das  Uagafest  vom  17.  und  18.  Thoth, 3  das  Fest  des
Hermes  vom  19.  Thoth 4 ,  das  grosse  Amonfest,  welches  mit  dem
19.  Paophi  begann, 5  die  Osirisfeste  der  letzten  Dekade  des
Choiak, 6  das  Krönungsfest  des  Horus  vom  1.  Tybi. 7
Feste,  die  irgendwie  aus  dem  Rahmen  des  Althergebrachten,
allgemeinUeblichen  herausträten,  kennt  der  Kalender  von  Medinet-Abu
  nicht,  und  gerade  solche  Feste  haben  es  uns  gestattet,  in  den
Festkalendern  von  Edfu  und  Esne  feste  Jahre  nachzuweisen.
Ebensowenig  als  wir  in  der  Lage  sind,  als  die  Grundlage
des  Kalenders  von  Medinet-Abu  ein  festes  Jahr  zu  erkennen,
1  Cf.  oben  p.  852.
2  Das  Fest  vom  22.  Thoth  ist  wohl  nicht  mit  Brugsch,  Geschichte
o
Aegyptens,  p.  607,  mit  ,Fest  der  grossen  Erscheinung 1  (des  Osiris)  zu
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übersetzen,  sondern  mit  Rücksicht  auf  Tanisstele  1.  24  —h—  j
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grossen  Trauer 1  zu  fassen.  Das  Fest  findet  sieh  schon  in  dem  alten  ßeicne
erwähnt.  Cf.  Brugsch,  Materiaux,  pl.  II.
3  Cf.  oben  p.  872,  875.
4  Cf.  oben  p.  872.
3  1.  1.
0  Cf.  oben  p.  875.
1  Cf.  oben  p.  867.
            
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