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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 98. Band, (Jahrgang 1881)

Studien  zur  Geschichte  des  alten  Aegypten.  I.

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nungen  hatten,  sondern  auch  gewisse,  besonders  ausgezeichnete
Tage  des  Jahres  eigene  Namen  führten,  etwa  wie  wir  statt
31.  Dezember  Sylvesterabend  sagen.  Zu  diesen  specieilen
Eponymien  gehörte  nach  ihm  auch  die  für  den  ersten  Thoth,
,Fest  des  Siriusaufganges'.  In  dem  Kalender  von  Medinet-Abu
ist  das  Monatsdatum  bei  Thoth  nicht  angegeben,  sondern  durch
,Fest  des  Siriusaufganges'  ersetzt. 1  Wenn  Brugsch  dazu  bemerkt: ­
  ,11  ne  s’agit  donc  point  d’un  lever  de  Sirius  au  1 er  Thoth,
comme  le  veut  Mr.  de  Rouge  et  comme  cette  date  a  ete  calculee
  par  Mr.  de  Biot,  mais  de  l’eponymie  pour  indiquer  nominalement
  la  date  du  1 er  Thoth',  so  können  wir  uns  mit  dem
nicht  einverstanden  erklären.
Drei  Hypothesen  hat  Rouge  2  als  allein  möglich  angeführt:
zwei  derselben  gibt  er  selbst  als  unhaltbar  auf  und  wir  müssen
uns  seiner  Annahme  anschliessen,  die  dritte  ist  nach  ihm  die
einzig  richtige:  ,Reste  une  derniere  supposition:  les  dates  sont
indiquees  dans  l’annee  vague,  mais  au  jour  vrai  du  phenomene
et  de  la  feste  qui  lui  etait  consacr.ee.'  Ein  Kalender,  welcher
nach  diesen  Grundsätzen  eingerichtet  wäre,  müsste,  wenn  er
einer  früheren  oder  späteren  Zeit  angehörte  als  der  Kalender
von  Medinet-Abu,  andere  Daten  für  die  Feste  tragen.  Die
Nothwendigkeit  dieser  Folgerung  erkannte  Rouge  sofort,  denn
er  fügt  den  angeführten  Worten  gleich  hinzu:  ,Dans  ce  dernier
  cas  les  dates  varieront  suivant  l’anciennete  des  calendriers.'
Und  nun  zeigt  sich  nach  den  neuesten  Untersuchungen  von
Dümichen,  dass  der  Kalender  von  Medinet-Abu  nur  eine  Copie
des  unter  Ramses  II.  etwa  120  Jahre  früher  verfassten  Originals ­
  ist.  Wir  sehen,  auch  die  letzte  der  von  Rouge  angenommenen ­
  Hypothesen  muss  nach  den  neuesten  Funden  aufgegeben ­
  werden.
Aber  auch  zu  Ramses  II.  Zeiten  entstand  nicht  das  wahre
Original  des  Kalenders  von  Medinet-Abu.  Es  ist  jedem  Aegyptologen
  bekannt,  wie  wenig  wahrhaft  Originelles  die  Ramessidenzeit
  hervorgebracht  hat,  wie  sehr  man  sich  gerade  in
dieser  Zeit  auf  die  Reproduction  des  von  früheren  Generationen
Ueberlieferten  beschränkte.  Im  Kalender  von  Medinet-Abu
1  Materiaux,  p.  84.
2  Aeg.  Z„  p.  82  fl.
Sitznngsber.  d.  phil.-hist.  CI.  XCVJII.  Bd.  III.  Hft.

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