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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 98. Band, (Jahrgang 1881)

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Krall.

so  zerstreut,  die  chronographische  Unsicherheit  auf  ägyptischem
Gebiete  so  gross,  dass  wir  vor  dem  Zeitalter  des  Taraqa  und
Psametik  I.  kein  Ereigniss  oder  Denkmal  auch  nur  auf  das
Jahrzehnt  näher  zu  fixiren  im  Stande  sind;  der  Zeitraum  ägyptischer ­
  Culturentwickelung  ist  so  ungeheuer,  dass  es  nicht  auffallen ­
  darf,  wenn  grosse  Veränderungen  in  der  Auffassung  der
Symbole,  1  der  Bedeutung  der  einzelnen  Feste,  ja  der  Bezeichnung ­
  der  Jahreszeiten  sich  nachweisen  lassen.  Die  Schlüsse,
die  man  auf  den  Festkalender  von  Medinet-Abu  baut,  haben
auf  alle  Fälle  etwas  Problematisches,  da  man  kaum  das  Jahrhundert ­
  mit  apodiktischer  Gewissheit  angeben  kann,  in  welchem
der  Kalender  in  die  Wände  gemeisselt  worden  ist.  Was  fördert
es  uns,  feste  Angaben  aus  der  Mastaba-Zeit  zusammenzustellen
mit  den  Festkalendern  der  Ptolemäerzeit  und  die  einen  durch
die  anderen  zu  erklären,  wenn  man  bedenkt,  dass  dazwischen
etwa  drei  Jahrtausende  liegen?
Unter  diesen  Umständen  müssen  wir  es  als  einen  glücklichen ­
  Zufall  preisen,  dass  uns  in  einer  vorzüglichen  Bearbeitung
von  Brugsch 2  zwei  Kalender  vorliegen,  die  wir  auf  feste  Jahre
beziehen  können  und  mit  wünschenswerthester  Genauigkeit  zu
datiren  im  Stande  sind.  Bei  dem  einen  derselben,  dem  Festkalender ­
  von  Esne,  ist  dies  allgemein  anerkannt,  bei  dem  andern,
dem  Kalender  von  Apollinopolis  Magna,  hoffen  wir  es  durch
unsere  Untersuchungen  festzustellen.
Wir  werden  zu  diesem  Behufe  eine  Erörterung  der  Festangaben ­
  nicht  vermeiden  können.  Erst  wenn  das  Gebiet  der
ägyptischen  Mythologie  nach  allen  Seiten  behandelt  sein  wird,
wird  eine  erfolgreiche  Erklärung  der  Festlisten  in  Angriff  genommen ­
  werden  können.  Schon  äusserlich  bieten  uns  dieselben
die  grössten  Wunderlichkeiten  dar,  die  sich  bei  näherer  Erörterung ­
  nicht  vermindern,  sondern  im  Gegentheile  vermehren.
So  finden  wir,  um  nur  ein  Beispiel  herauszugreifen,  in  Ueber-1

  Belehrend  ist  es  in  dieser  Hinsicht,  den  verschiedenen  mythologischen
Bedeutungen  des  Uza-Auges  (cf.  oben  p.  838  und  A.  2)  naehzugehen.  Eine
Reihe  derselben  findet  man  besprochen  bei  Lefebure,  ,Yeux  d’Horus*,  und
Grebaut,  ,Des  deux  yeux  du  disque  solaire 1  im  Recueil  (v.  p.  4)  I  P-  A--
  Drei  Festkalender  des  Tempels  von  Apollinopolis  Magna  in  Oberiigypten,
1877.  Ich  weiche  von  der  Uebersetzung  von  Brugsch  nur  dort  ab,  wo
ich  sie  für  unrichtig  halte.
            
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