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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 98. Band, (Jahrgang 1881)

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Krall.

Jahr  auf  360  Tage  normirten,  glaubten  sie  in  der  That  das
richtige  Naturjahr  gefunden  zu  haben.  Auch  die  Monate  der
Araber,  welche  das  ursprüngliche  Mondjahr  der  Semiten  beibehalten ­
  haben,  zeigen  eine  offenbare  Beziehung  auf  die  Jahreszeiten. ­
  Diese  Bezeichnung,  die  bei  der  Wandelbarkeit  der  arabischen ­
  '  Monate  befremdend  ist,  soll  nach  Dschewhari  nur
zufällig  für  das  Jahr  ihrer  Einführung  gegolten  haben.  1
Es  ist  zudem  wahrscheinlich,  dass  das  360tägige  Jahr  sich
schon  aus  der  Zeit  vor  der  Einwanderung  ins  Nilthal  herschreibt, ­
  wo  den  Aegyptern  der  sichere  Leitstern,  die  regelmässige ­
  Wiederkehr  der  Nilfluth  abging.  Dieses  Ereigniss  wird
die  Priester  auf  alle  Fälle  bald  zur  Ueberzeugung  gebracht
haben,  dass  das  360tägige  Jahr  keineswegs  den  Thatsachen
entspreche.  Es  ist  jedoch  Jedem,  der  sich  mit  diesen  Dingen
beschäftigt,  bekannt,  wie  lange  es  dauert,  bis  derartige  Feststellungen ­
  in  die  praktische  Wirklichkeit  treten,  zumal  bei
einem  am  Hex-gebrachten  so  streng  festhaltenden  Volke,  wie
es  die  Aegypter  nun  einmal  waren.
Im  Jahre  432  v.  Chr.  (01.  87,  1),  um  nur  auf  ein  Beispiel
hinzuweisen,  veröffentlichte  Meton  in  Athen  den  nach  ihm  benannten ­
  19jährigen,  aus  12  Gemein-  und  7  Schaltjahren  mit  zusammen ­
  6940  Tagen  bestehenden  Cyklus.  Erst  01.  117,  1  (312
v.  Chr.)  fühi-ten  die  Athener  (nach  den  Forschungen  Useners) 2
den  metonischen  Cyklus  ein.  Und  doch  hatte  zu  der  Zeit  schon
Kallippos  3  die  Unzulänglichkeit  der  metonischen  Enneakaidekaeteride
  dargethan  und  seine  aus  vier  19jährigen  Perioden  gebildete ­
  76jährige  Periode  aufgestellt.  Während  der  glänzendsten ­
  Zeiten  ihrer  Geschichte  hatten  die  Athener  sich  nxit
der  ganz  unzulänglichen  Octaeteris  gequält.
Wie  andere  Völker  in  ähnlichen  Lagen,  so  werden  sich
die  Aegypter,  um  den  Anfang  ihres  Jahres  beim  Beginne  der

1  Ideler,  Chronologie  II,  p.  475.
2  Rheinisches  Museum,  XXXIV,  p.  388  fl.  Cf.  unten  p.  895  und  A.  5.
3  Ideler,  Chronologie  I,  p.  344  fl.  Die  Einführung  der  Ifallippischen  76jährigen
Periode  gehört  einer  viel  späteren  Zeit  an,  obwohl  sicli  dieselbe  mit
unseren  jetzigen  Mitteln  nicht  bestimmen  lässt.  J.  Dürr  macht  in  seiner
Schrift  ,Die  Reisen  des  Kaisers  Hadrian“,  p.  90,  es  sehr  wahrscheinlich,
dass  im  zweiten  Jahrhunderte  nach  Christo  die  Kallippisehe  Periode  in
Athen  in  Uebung  war.
            
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