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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 98. Band, (Jahrgang 1881)

Studien  zur  Geschichte  des  alten  Aegypten.  I.

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ursprünglich  360  Tage  gezählt  habe,  die  auf  12  Monate  zu  je
30  Tagen  vertheilt  waren.
Zu  dem  Zeugnisse  der  Inschrift  von  Tanis  kommen  andere ­
  bestätigende  Momente  hinzu.  In  den  Cultgebräuchen,  wo
sich  Ueberreste  der  Vorzeit  am  zähesten  behaupten,  finden  sich
mannigfache  Spuren  des  altägyptischen  Jahres  von  360  Tagen.
Diodor,  der  in  ägyptischen  Dingen  sich  wohl  unterrichtet
zeigt,  berichtet, 1  dass  einige  Aegypter  der  Ansicht  waren,  nicht
in  Memphis  seien  Isis  und  Osiris  begraben,  sondern  in  Philae.
Als  Denkzeichen  hiefür  wurde  das  Grab  des  Osiris  angeführt,
welches  von  allen  ägyptischen  Priestern  verehrt  werde.  Um
das  Grab  herum  liegen  360  Opferschalen.  Diese  müssen  die
dazu  bestellten  Priester  täglich  mit  Milch  füllen  und  unter
Klagen  die  Namen  der  Gottheiten  anrufen.
Ferner  berichtet 2  derselbe  Autor,  in  der  Stadt  Acanthus,
jenseits  des  Nils  gegen  Libyen,  120  Stadien  von  Memphis  entfernt, ­
  sei  ein  durchlöchertes  Fass,  in  welches  360  Priester  jeden
Tag  Wasser  aus  dem  Nil  tragen.
Selbst  zu  einer  Zeit,  da  die  5  Epagomenen  schon  eingeführt ­
  waren  —  sie  werden  in  der  Inschrift  genannt  —•
konnte  die  Inschrift  von  Siut 3  sagen:  ,Da  ein  Tempeltag  der
360.  Theil  eines  Jahres  ist,  so  theilt  alle  Dinge,  die  in  diesen
Tempel  kommen'  u.  s.  w.
So  sagt  auch  der  Kalender  von  Medinet-Abu 4  bei  Anführung ­
  der  täglich  zu  entrichtenden  Opfergegenstände:  Gänse
zwei  (exempli  gratia)  täglich,  1  i  111  macht  im
Jahr  (mit  den  5  Epagomenen)  730.  Die  Epagomenen  werden
als  späterer  Zusatz  durch  besondere  Anführung  gekennzeichnet.
Sie  bilden  im  Kalender  der  Kopten  den  13.  Monat,  den
h&£ot7i  rotx.1,  den,  kleinen  Monat. 5  Fragen  wir  nach  der
1  I,  22.
2  I,  97.
3  Cf.  die  vorzügliche  Behandlung  derselben  durch  Maspero  in  den  Transactions ­
  of  the  society  of  biblical  archeology,  VII,  p.  1  fl.  Der  von  mir
(Manethon.  Geschichtswerk,  p.  127  [7]  A.  3)  geäusserte  Wunsch  einer  Behandlung ­
  der  Inschrift  ist  sonach  rascher  als  ich  damals  ahnen  konnte
in  Erfüllung  gegangen.
4  Ed.  Dümichen.
Peyron  s.  v.  rvüoT  nach  La  Croze.

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