Studien zur Geschichte des alten Aegypten. I.
847
eine Stelle der ersten Seite, 1 welche folgendermassen lautet:
,So viele Seiten da sind (wie bemerkt sind es ihrer 110) von
diesem meinem Kopfe, von diesem meinem Halse, von diesen
meinen Armen, von diesem meinem Fleische, von diesen
meinen Gliedern so oft erbarmt sich Rä, welcher
spricht: ich behüte ihn vor seinen Feinden/ Die Sache ist
klar: llOmal bewahrt Rä den Besitzer der Rolle vor den
Feinden, d. h. den Krankheiten, die persönlich gedacht werden,
dann hat der Aegypter sein Ziel erreicht, seine Zeit ist gekommen.
Neben dem ,maxime vulgatum spatium* verzeichnet Tacitus
auch die Ansicht derjenigen, ,qui adseverent mille quadringentos
sexaginta unum 2 interick, die er allein unter den verschiedenen
überlieferten Ansätzen (varia traduntur) einer Erwähnung für
werth hält. Und mit Recht, denn wir haben hier, was bei
dem ,maxime vulgatum spatiun/ nicht der Fall war, ägyptischen
Boden unter den Füssen. Es liegt uns hier vor, wie bei der
grossen Periode der Inschrift von Edfu, die Uebertragung der
Vorgänge, die sich im Laufe eines Jahres vollziehen, auf eine
grosse Periode von 1461 Wandeljahren oder 365 Tetraeteriden
fester, julianischer Jahre.
So fliesst der eine Ansatz der Phönixperiode bei Tacitus
mit der grossen Periode von 1461 Wandeljahren zusammen, 3
die man je nach den verschiedenen Zeiten und Schriftstellern
1 I, 4-8.
2 Das sexaginta nimm zeigt uns, wie genau Tacitus seiner Vorlage — die
direct oder indirect wohl Manetho gewesen sein wird — folgt. (Er wird
die Angabe dort gefunden haben, wo er auch die Darstellung der Einführung
des Sarapis, Hist. IV, 83—84, fand. Cf. Tacitus und der
Orient I, p. 9.) Römische Leser mussten die Angabe des Tacitus missverstehen,
sie mussten die 1461 Jahre als julianische auffassen, während
es ägyptische Wandeljahre waren. Tacitus, dem die mythologischen und
chronologischen Kenntnisse fehlten, um die wahre Bedeutung der Dauer
der Phönixperiode zu erfassen, wird wohl selbst das Missverständniss
begangen haben, — er musste sonst 1460 Jahre schreiben, oder eine
erläuternde Bemerkung hinzufügen. Anders standen die Dinge bei seiner
Vorlage, wenn sie von einem Aegypter herrührte, und nur bei einem
Aegypter, der sich durchgehends bei Datirungen des Wandeljahres bediente,
war der Ansatz 1461 Jahre ohne jeden Zusatz möglich.
3 Die Stellen bei Lepsius, Chronologie, p. 167 fl.
Sitzungslier. d. phil.-hist. CI. XCV1I1. Bd. III. Hft.
54