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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 98. Band, (Jahrgang 1881)

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Krall.

Martialis,  Claudianus,  Lactantius,  Nonnus,  dem  Phönix  geradezu
eine  Lebensdauer  von  1000  Jahren  zuschreibt. 1  Zudem  sei
daran  erinnert,  dass  man  eine  nur  halbwegs  befriedigende  astronomische ­
  Erklärung  der  Phönixperiode  bis  jetzt  zu  geben  nicht
in  der  Lage  war.
Weder  der  Begriff  des  Jahrtausends  noch  der  des  Jahrhunderts, ­
  des  Säculum,  war,  so  viel  man  sieht,  den  Aegyptern
(ebensowenig  als  den  Semiten)  für  chronologische  Zwecke  von
Haus  aus  geläufig.  Es  scheint,  dass  ein  Indogermane,  Herodot,
dieser  Anschauung  zuerst  Ausdruck  gegeben  hat. 2  Bei  Hamiten
und  Semiten  finden  wir  vielmehr  die  Zahl  120  (die  Hanperiode
der  Einen,  der  doppelte  Sossos  der  Andern),  bei  den  Aegyptern
ausserdem  die  Zahl  110.  Wie  bei  den  Römern  das  juristische
Säculum  (von  100  Jahren)  auf  einer  durch  Beobachtung  der
durchschnittlich  längsten  Lebensdauer  gefundenen  und  rechtlich
ein-  für  allemal  festgestellten  Jahrzahl  beruht,  3  so  finden  wir  in
Aegypten  einen  entsprechenden  Zeitabschnitt  von  110  Jahren.
Unter  den  vielen  Dingen,  die  der  fromme  Aegypter  von  Osiris
erbittet,  gehört  auch  die  Gewährung  einer  Lebensdauer  von
110  Jahren.  Die  Belege  hiefür  sind  ungemein  zahlreich;  ich
will  hier  nur  auf  einen  aufmerksam  machen,  der  noch  nicht
beachtet  worden  ist.
Der  Papyrus  Ebers  ist  in  Seiten  eingetheilt,  110  an  der
Zahl.  1  Bedenkt  man,  dass  der  Glaube,  einzelnen  Zahlen  wohne
eine  eigenthümliche,  bald  gute  bald  schlechte  Kraft  inne,  durch
den  Umstand,  dass  der  Schreiber  des  Papyrus  bei  der  Seitennumerirung ­
  die  Zahlen  28  und  29  ausgelassen  und  von  der
27.  gleich  auf  die  30.  übergesprungen  ist, 5  gleichsam  aus  dem
Papyrus  selbst  hervortritt,  so  liegt  es  nahe,  in  den  110  Seiten
eine  Beziehung  zu  der  längsten  Lebensdauer  des  Menschen  zu
erkennen.  Diese  Annahme  wird  zur  Gewissheit  erhoben  durch
1  Die  Stellen  bei  Lepsius,  Chronologie,  p.  174.
2  II,  142,  7  (Stein).  Es  ist  hier  nicht  der  Ort,  dieser  nicht  unwichtigen
Frage  nachzugehen.
3  Mommsen,  Chronologie  2 ,  p.  174.  Ob  ein  Zusammenhang  zwischen  dem  m
augusteischer  Zeit  auftauchenden  hundertzehnjährigen  Säculum  (Mommsen, ­
  1.  1.  p.  135,  158,  183)  und  der  Lebensdauer  von  110  Jahren  nach
ägyptischer  Lehre  besteht,  müssen  weitere  Untersuchungen  lehren.
4  Einleitung  von  Georg  Ebers,  p.  2.
6  p.  17.
            
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