Studien zur Geschichte des alten Aegypten. I.
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von der sogenannten Phönixperiode' sich bis jetzt auf den
ägyptischen Denkmälern keinerlei Erwähnung gefunden hat.
In der That trägt das maxime vulgatum quingentorum (sc. annorum)
spatium, um mich des Ausdruckes von Tacitus zu bedienen,
1 ein so unägyptisches Gepräge, dass mir das Fehlen
einer Erwähnung desselben auf ägyptischen Denkmälern gar
nicht auffallend erscheint. In der Sage vom Bennu liegt nichts,
was uns eine lange Periode erwarten Hesse; eine der täglichen
Verwandlungen der Sonne und in Folge dessen der osirisgewordenen
frommen Aegypter ist die in einen Bennu. Erst
als die Vorliebe für Bildung grosser Perioden auf kam, übertrug
man Vorgänge, die sich beim täglichen und jährlichen Laufe
der Sonne vollzogen, auf lange Zeiträume. Zudem traten
andere Elemente hinzu.
Die Angabe, dass die Dauer der Phönixperiode 500 Jahre
betrage, geht bekanntlich auf Herodot 2 zurück. Wenn Tacitus
von diesem Ansätze sagt, er sei maxime vulgatum, so will das
gerade nicht viel sagen. Unter den Autoren, die Tacitus für
diese Frage einsah, gab wohl die Mehrzahl die Zahl 500; es
waren aber keine primären Quellen, sondern sie gingen, wie
überhaupt der grössere Theil der von Tacitus gegebenen Nachrichten,
auf Herodot zurück. Wie bedeutend der Einfluss Herodots
auf die spätere Historiographie bei Darstellung ägyptischer
Dinge war, ersehen wir daraus, dass Diodor, trotzdem
ihm eine gute Quelle zur Verfügung stand, 3 von der Autorität
Herodots sieh nicht freimachen konnte und dessen Ansatz für
die Zeit des Pyramidenbaues aeceptirte. 1
Die Fixirung der Phönixperiode auf 500 Jahre geht von
dem Begriffe des Jahrtausends aus: der alte Phönix lebt
500 Jahre, ebensoviele der neue, also beide zusammen 1000
Jahre. Dass dieser Ansatz in der That so aufzufassen ist,
dass wir in demselben keinen astronomischen Untergrund zu
suchen haben, lehrt der Umstand, dass eine Reihe von Autoren,
1 Ab exc. VI, 28. Cf. Die Composition und die Schicksale des Manethon.
Geschichtswerkes, p. 222 (102).
2 II, 73.
3 Cf. Manetho und Diodor (J3d. XCVI dieser Sitzungsberichte), p. 256 (22)
und 272 (38).
4 I, 63.