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Adler.
Bedeutung des Wortes Fauxbourdon nicht, denn diese Anwendung
ist eine rein äusserliche, zufällige. Von der Art
mehrstimmiger, freier Composition über der Psalmodie, welche
im freien Rhythmus des Cantus planus vorgetragen wurde,
und Fauxbourdon genannt wurde, zweigte sich eine Nebenbedeutung
dieses Namens in dem Sinne ab, dass das in der
Psalmodie übliche Sprechen von mehreren Silben auf einem
und demselben Tone, also auch, wie bei den Responsorien,
auf einem und demselben Aceorde als ,Psalmodiren mit dem
falso Bordone' bezeichnet wurde.
Dieses ,Psalmodiren mit dem Fauxbourdon' heisst eigentlich
und originair die mehrstimmige Psalmodie, derivativ das
Sprechen mehrerer Silben auf ein und demselben Tone.
Diesem Begriffe ergieng es ähnlich wie vielen aus dem gewöhnlichen
Gebrauche in die Gelehrtensprache herübergenommenen
Worten, welche ihrer ursprünglichen Bedeutung
entfremdet werden.
Auf diese Weise ergiebt sich die Lösung des chamaeleonischen
Namens Fauxbourdon. Die Bezeichnung der verschiedenen
Stimmen des Fauxbourdon mit den Worten: supranus,
(contratenor) altus, tenor, (contratenor) bassus, welche
noch heute zur Bezeichnung der menschlichen Stirnmgattungen
dienen im Gegensätze zu der im Discantus üblichen Bezeichnung
mit den Worten: discantus (als obere Stimme), Duplum, Triplum,
Quadruplum, Motetus etc., verrathen auch in der Noinenclatur
einen Unterschied der verschiedenen mehrstimmigen Behandlung.
Dieser Unterschied hat sich auch in der Behandlung mancher
Texte in den späteren Zeiten, so im 15. und 16. Jahrhundert
noch manifestirt.
Selbst heute noch kann man vom musik-historischen
Standpunkte aus einige Compositionen aus den Zeiten der
ausgebildeten mehrstimmigen Vocalmusik mit den Namen Fauxbourdon
belegen und dies auch in mehrfacher Unterscheidung.
Man kann entweder eine Composition als durchaus dem Fauxbourdon
entsprechend bezeichnen, oder nur als Fauxbourdonartig,
gleich wie ein Fauxbourdon, sei es dass im letzteren
Falle der Charakter der Composition nicht vollkommen ausgesprochen
ist, oder dass man die Composition als in der
Mitte stehend zwischen Fauxbourdon und Discantus bezeichnet,