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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 98. Band, (Jahrgang 1881)

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Adler.

Bedeutung  des  Wortes  Fauxbourdon  nicht,  denn  diese  Anwendung ­
  ist  eine  rein  äusserliche,  zufällige.  Von  der  Art
mehrstimmiger,  freier  Composition  über  der  Psalmodie,  welche
im  freien  Rhythmus  des  Cantus  planus  vorgetragen  wurde,
und  Fauxbourdon  genannt  wurde,  zweigte  sich  eine  Nebenbedeutung ­
  dieses  Namens  in  dem  Sinne  ab,  dass  das  in  der
Psalmodie  übliche  Sprechen  von  mehreren  Silben  auf  einem
und  demselben  Tone,  also  auch,  wie  bei  den  Responsorien,
auf  einem  und  demselben  Aceorde  als  ,Psalmodiren  mit  dem
falso  Bordone'  bezeichnet  wurde.
Dieses  ,Psalmodiren  mit  dem  Fauxbourdon'  heisst  eigentlich ­
  und  originair  die  mehrstimmige  Psalmodie,  derivativ  das
Sprechen  mehrerer  Silben  auf  ein  und  demselben  Tone.
Diesem  Begriffe  ergieng  es  ähnlich  wie  vielen  aus  dem  gewöhnlichen ­
  Gebrauche  in  die  Gelehrtensprache  herübergenommenen ­
  Worten,  welche  ihrer  ursprünglichen  Bedeutung
entfremdet  werden.
Auf  diese  Weise  ergiebt  sich  die  Lösung  des  chamaeleonischen
  Namens  Fauxbourdon.  Die  Bezeichnung  der  verschiedenen ­
  Stimmen  des  Fauxbourdon  mit  den  Worten:  supranus,
  (contratenor)  altus,  tenor,  (contratenor)  bassus,  welche
noch  heute  zur  Bezeichnung  der  menschlichen  Stirnmgattungen
dienen  im  Gegensätze  zu  der  im  Discantus  üblichen  Bezeichnung
mit  den  Worten:  discantus  (als  obere  Stimme),  Duplum,  Triplum,
Quadruplum,  Motetus  etc.,  verrathen  auch  in  der  Noinenclatur
einen  Unterschied  der  verschiedenen  mehrstimmigen  Behandlung.
Dieser  Unterschied  hat  sich  auch  in  der  Behandlung  mancher
Texte  in  den  späteren  Zeiten,  so  im  15.  und  16.  Jahrhundert
noch  manifestirt.
Selbst  heute  noch  kann  man  vom  musik-historischen
Standpunkte  aus  einige  Compositionen  aus  den  Zeiten  der
ausgebildeten  mehrstimmigen  Vocalmusik  mit  den  Namen  Fauxbourdon ­
  belegen  und  dies  auch  in  mehrfacher  Unterscheidung.
Man  kann  entweder  eine  Composition  als  durchaus  dem  Fauxbourdon ­
  entsprechend  bezeichnen,  oder  nur  als  Fauxbourdonartig,
  gleich  wie  ein  Fauxbourdon,  sei  es  dass  im  letzteren
Falle  der  Charakter  der  Composition  nicht  vollkommen  ausgesprochen ­
  ist,  oder  dass  man  die  Composition  als  in  der
Mitte  stehend  zwischen  Fauxbourdon  und  Discantus  bezeichnet,
            
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