Studie zur Geschichte der Harmonie.
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fertigen Hesse, dass diese Fauxbourdon und Gymel den
mehrstimmigen Naturgesange adaequat, freilich mit der für
Kunstgesänge nothwendigen Umänderung, gebildet sind oder
auch nur dem specifisch harmonischen Instincte ihren Ursprung
verdanken, die Anwendung der Semitonien als zweifellos erwiesen
wäre.
Von diesem regelmässig gebildeten vierstimmigen Fauxbourdon
und Gymel werden mehrere Ausnahmen gemacht. Die
Ausnahmen entstehen dadurch, dass der Tenor die früher (in
dem obigen Beispiele) von dem Cantus geführte Melodie erhält;
je nach der verschiedenen Behandlung dieses Melos ergeben
sich zwei sehr verschiedene Arten des vierstimmigen
Fauxbourdon.
Die erste Art (P) ist folgende: Wie der Tenor die Weise
des Sopranes, so übernimmt der Bass die frühere Weise des
Tenors und schreitet in Sexten (ausgenommen im Anfänge
und am Ende) mit dem Tenor; der Alt behält die Art seiner
Behandlung, kommt also, wie früher oberhalb des Tenors, so
jetzt oberhalb des Basses in Terzen, und bildet am Ende eine
Quint mit dem Bass, also eine Quart mit dem Tenor. Man
sieht nebenbei bemerkt, auch hier wie die Stimmregelung von
dem harmonischen Gefühle geführt wird; der Cantus übernimmt
gleichsam die Rolle des Basses, indem er abwechselnd
• Quinten und Terzen zum Tenor bildet. Wir haben also hier
eine Reihe vierstimmiger Sextaccorde, welche immer am
Anfang und am Ende von Dreiklängen eingeschlossen werden.
Die zweite Art der Behandlung ist folgende: der Sopran
geht jetzt analog dem früheren Tenor, so dass er am Ende
und Anfang Unison, sonst Terzen zum Tenor hat (es ist
dies eigentlich eine Gymel-Art); der Alt steht oberhalb des
Sopranes und bildet vorwiegend Terzen und Q.uarten, zum
Schlüsse eine Terz zu dem Tenor; dieser Fall ist insbesondere
hervorzuheben, weil damit die Grundregel, dass man nur
mit perfecten Consonanzen anfangen und schliessen darf,
wenigstens in ihrem letzteren Theile durchbrochen ist. Bei
dem Beispiele O, war erwähnt, dass der Alt neben dem Einklang
oder der hohen oder der tiefen Octav auch eine hohe
Terz zum Tenor bilden könne, daher hier also nur facultativ,
was in dem Beispiele Q obligatorisch gilt. Der Bass bildet