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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 98. Band, (Jahrgang 1881)

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Adler.

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T

wir,  und  zwar  das  Erstere  im  Beispiel  D,  das  Letztere  im
Beispiel  C,  bestätiget.
Es  könnte  die  Frage  aufgeworfen  werden,  ob  die  Zusammenklänge ­
  E—G—c  und  F—A—d  (nacb  der  Oettingen-Helmholtz’schen
  Bezeichnung) 1  waren;  diese  Frage  lässt  sich  vorläufig ­
  nicht  bestimmt  beantworten.  Es  Hesse  sich  überhaupt
die  Vorfrage  stellen,  ob  bei  diesen  incunablen  Harmonien'der
Unterschied  der  Naturterz  und  der  Terz  nach  der  vierten  Quint
gemacht  worden  ist.  Es  scheint,  dass  die  Praxis  unbewusst,
d.  h.  ohne  sich  darüber  Rechenschaft  zu  geben,  die  beiden
Intervalle  differenzirte.  Gerade  die  Naturterz  respectiv  ihre
Umkehrung,  die  Sext  tritt  als  gährendes  Ferment  in  der  Entwicklung ­
  der  Harmonie  auf;  sie  war  das  belebende,  zum
Fortschritt  treibende  Element  der  sonst  erstarrenden  Quintenund
  Quartenorgana.  Wenn  also  auch  die  Schriften  der  damaligen ­
  Theoretiker  und  Historiker  diesen  Unterschied  als  einen
in  der  Praxis  bestehenden  nicht  hervorheben,  so  kann  diese
Frage  nicht  von  vornherein  übergangen  werden.  Das  Beispiel
A,  würde  zufolge  der  Auffassung  der  Oberstimme  als  Hauptstimme ­
  also  heissen:
d {  c,  d {  e,  j\  d l  e l  d l  c,  d t
a  g  u  h  c 1  h  a  h  a  g  a
defgagfgf“* 1
Diese  Art  der  Ausführung  des  Gesanges  wäre
ein  zweiter  Grund  für  die  Benennung  Fauxbourdon.
In  den  Beispielen  A,  B,  C,  D,  finden  wir  den  Tenor  in  der
damals  neuen  Notation  ,quo  tempore  nigras  notas  in  vacuas
mutari  contigitb  Iu  den  Beispielen  A,  und  B,  ist  der  Sopran
abgesondert  in  fortgesetzter  Systemreihe  ebenfalls  in  solchen
leeren  Noten.  Sopran  und  Tenor  sind  äusseilich  gleichgestellt.
Der  Grund  warum  der  Sopran  zweimal  in  den  Beispielen  A,
und  B,  vorkommt,  ist  nicht  recht  einzusehen;  vielleicht  trat

1  Helmholtz  .Die  Lehre  von  den  TonempfindungenS  4.  Ausg.,  S.  454.  Zufolge ­
  der  allegirten  Bezeichnung  ist  bei  dem  Accord  C  EG  das  E  um
ein  Comma  ( 8j /so)  kleiner  als  das  E,  welches  die  4.  Quint  von  C  ist;  bei
j)—p—4  (Mollakkord)  ist  das  F  um  ein  Comma  höher.  So  werden  die
Akkorde  in  natürlicher  Weise  gesungen.
            
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