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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 98. Band, (Jahrgang 1881)

Studie  zur  Geschichte  der  Harmonie.

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C,  Ausnahmen  bilden.  Der  Auffassung  des  Contratenors  als
Quint  respective  Terz  zum  Tenor  steht  jene  Auffassung  gegenüber, ­
  welche  diese  Stimme  durchgehends  als  Quart  zum  Sopran
ansieht,  wie  dies  X,  9,  geschieht.  So  äusserlich  diese  Unterscheidung ­
  erscheinen  mag,  so  entscheidend  ist  sie  doch  für  die
totale  Beurtheilung  dieses  Gesanges.  Es  ergiebt  sich  nämlich
darriach  eine  Verrückung  der  Intervallbestimmung  und  der
Sopran  wird  als  ,cantus  primus  reperitur“  d.  h.  er  wird  Hauptgesang ­
  wie  bei  Guillelmus,  Tinctoris  und  Franchinus  Gafor.
Und  darauf  beruht  die  Benennung  Fauxbourdon,  indem ­
  die  Stütze  des  Gesanges  nicht  wie  in  den  üblichen
Gesängen  nothwendig  im  Tenor  als  der  untersten
Stimme,  sondern  auch  in  einer  der  oberen  Stimmen
liegt  und  die  unterste  Stirn  me  daher,falsche  Stütze'  wird.
Nach  unserer  modernen  Auffassung  müssten  wir  sagen,  dass  die
Stütze  gleichwol  im  Bass  ist,  weil  wir  vom  harmonischen
Standpunkte  aus  den  Bass  stets  als  Stütze  ansehen;  nichts
destoweniger  würde  auch  unsere  strenge  Schule,  welche  die
Harmonie  nur  nach  dem  Fundament  beurtheilt  und  benennt,
in  den  Sextakkordharmonien  die  im  Sopran  gesungene  Note
als  Fundamentalstimme  conform  der  Auffassung  des  14.  respective
15.  Jahrhunderts  erklären.  In  dieser  Bedeutung  liegt  der
Grundstock  des  wahrscheinlich  von  Mönchen  erfundenen ­
  Namens  Fauxbourdon.  Die  alimälige  Uebertragung
  dieses  Namens  auf  andere  Harmonien  wird
uns  im  Laufe  der  Untersuchung  klar  werden.
Der  Grund,  w r arum  in  den  Beispielen  B,  C,  D,  mit  dem
Sextakkord  begonnen,  im  Beispiele  C,  mit  dem  Sextakkord
auch  geschlossen  wird,  dürfte  in  der  Art  des  Gesanges  des
Sopranes  im  Verhältnisse  zum  Tenor  gelegen  sein.  Die  Cantus
firmi  und  Contrapunkte  sollen  nämlich  wie  von  den  allgemeinen
Regeln  gefordert  wird,  soviel  als  möglich  schrittweise  (non
disjuncti)  sein;  würde  daher  der  Cantus  firmus  aufwärtsgehen,
so  wäre  es  misslich,  die  ersten  begleitenden  Intervalle  in  die
untere  Quart  respective  Octav  zu  setzen,  weil  sonst  der  Tenor
gleich  einen  Quartsprung  machen  müsste.  Wenn  der  Cantus
firmus  zum  Schlüsse  abwärts  geht,  so  könnte  wiederum  kein
vollkommener  Schluss  in  OctaV  und  Quart  gemacht  werden,
weil  ein  gleicher  Sprung  gemacht  werden  müsste;  dies  linden
            
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