Studie zur Geschichte der Harmonie.
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C, Ausnahmen bilden. Der Auffassung des Contratenors als
Quint respective Terz zum Tenor steht jene Auffassung gegenüber,
welche diese Stimme durchgehends als Quart zum Sopran
ansieht, wie dies X, 9, geschieht. So äusserlich diese Unterscheidung
erscheinen mag, so entscheidend ist sie doch für die
totale Beurtheilung dieses Gesanges. Es ergiebt sich nämlich
darriach eine Verrückung der Intervallbestimmung und der
Sopran wird als ,cantus primus reperitur“ d. h. er wird Hauptgesang
wie bei Guillelmus, Tinctoris und Franchinus Gafor.
Und darauf beruht die Benennung Fauxbourdon, indem
die Stütze des Gesanges nicht wie in den üblichen
Gesängen nothwendig im Tenor als der untersten
Stimme, sondern auch in einer der oberen Stimmen
liegt und die unterste Stirn me daher,falsche Stütze' wird.
Nach unserer modernen Auffassung müssten wir sagen, dass die
Stütze gleichwol im Bass ist, weil wir vom harmonischen
Standpunkte aus den Bass stets als Stütze ansehen; nichts
destoweniger würde auch unsere strenge Schule, welche die
Harmonie nur nach dem Fundament beurtheilt und benennt,
in den Sextakkordharmonien die im Sopran gesungene Note
als Fundamentalstimme conform der Auffassung des 14. respective
15. Jahrhunderts erklären. In dieser Bedeutung liegt der
Grundstock des wahrscheinlich von Mönchen erfundenen
Namens Fauxbourdon. Die alimälige Uebertragung
dieses Namens auf andere Harmonien wird
uns im Laufe der Untersuchung klar werden.
Der Grund, w r arum in den Beispielen B, C, D, mit dem
Sextakkord begonnen, im Beispiele C, mit dem Sextakkord
auch geschlossen wird, dürfte in der Art des Gesanges des
Sopranes im Verhältnisse zum Tenor gelegen sein. Die Cantus
firmi und Contrapunkte sollen nämlich wie von den allgemeinen
Regeln gefordert wird, soviel als möglich schrittweise (non
disjuncti) sein; würde daher der Cantus firmus aufwärtsgehen,
so wäre es misslich, die ersten begleitenden Intervalle in die
untere Quart respective Octav zu setzen, weil sonst der Tenor
gleich einen Quartsprung machen müsste. Wenn der Cantus
firmus zum Schlüsse abwärts geht, so könnte wiederum kein
vollkommener Schluss in OctaV und Quart gemacht werden,
weil ein gleicher Sprung gemacht werden müsste; dies linden