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Adler.
Aber auch in Deutschland fand dieser Gesang Pflege; wir besitzen
darüber eine zwar erst in das 15. Jahrhundert gehörige Urkunde;
Hanns Rosenplüt besingt in den 1447 erschienenen ,Spruchgedichten
auf die Stadt Nürnberg' den Meister Conrad Paumann.
Nach einer allgemeinen Einleitung, in der er diesen Meister
,ob allen maystern' stellt, fährt er fort:
,er trug wol auf von golt ein Krön
mit Contra-tenor und mit faberdon
mit primitonus tenorirt er,
auf ela my so synkopirt er 1 etc.
Dieses Wort faberdon entspricht dem französischen Worte;
es ist um so überzeugender, wenn man den Spanier Cerone
ähnlich sagen hört (er spricht von Estrambola und Frottole):
,Como es haziendo cantar las partes con cantares unisonadas
a modo de fabordon.'
Ob aber diese Weise ursprünglich in Deutschland und in
Spanien auftrat, oder ob sie importirt wurde, darüber fehlen
wieder aufklärende Documente. Daraus, dass dieses Wort kein
ursprünglich deutsches, also dass der Name fremd ist, Hesse
sich noch nicht schliessen, dass auch diese mehrstimmige Behandlung
des cantus firmus ebenso aus fremden Landen eingeführt
sei. Wir begegnen auch sonst in der Musikgeschichte
Beispielen, bei denen es feststeht, dass sie ursprünglich (originär)
in den einzelnen Ländern Pflege fanden; zumeist erhielten
sie von der Kirche die Namen, welche dann international
wurden. Nach dem im folgenden Capitel näher zu
besprechenden Tractat des Guillelmus Monachus, dessen Schrift
eine bisher nicht behandelte Hauptquelle für den Fauxbourdon
bildet, könnte man, wenn man die anderen Quellen nicht kennen
würde, sogar schliessen, dass dieser Gesang vorherrschende
Pflege bei den Engländern fand. Er sagt nämlich: ,Um eine
richtige und genaue Kenntniss der englischen Weisen zu haben,
ist zu bemerken, dass sie eine Weise haben, welche die ,faulx
bourdon'-Weise genannt wird'; und dann wieder: ,Es beginnen
die Regeln über den englischen Contrapunkt, welcher bei den
Engländern selbst auf zwei Arten vor sich geht; die erste Art,
welche die gebräuchliche ist, heisst Fauxbourdon etc.' Also
auch bei den Engländern spielte diese mehrstimmige Musik
eine hervorragende Rolle. Wir finden sie bei sämmtlicben