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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 98. Band, (Jahrgang 1881)

Studie  zur  Geschichte  der  Harmonie.

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sogar  ein  unmusikalischer  Begriff  hinzutritt,  lieh  er  seinen  an
sich  rüthselhaf'ten  Namen.  Es  soll  nun  die  Aufgabe  der  nachfolgenden ­
  Untersuchung  sein,  dieser  Verwirrung  soweit  möglich
ein  Ende  zu  machen.  Der  schon  in  der  Einleitung  angedeutete
Gesichtspunkt  soll  uns  die  Möglichkeit  verschaffen,  in  dieses
Labyrinth  einen  Plan  zu  bringen  imd  uns  in  diesen  Irrgängen
orientiren  zu  können.
2.  Bei  welchen  Völkern  der  Fauxbourdon  eiugefiihrt  war.
Der  Name  ist  französisch:  es  ist  bekannt,  dass  dieser
mehrstimmige  Gesang  bei  den  Franzosen  eine  vorzügliche  Pflege
fand. 1  Insbesonders  wird  liervorgehoben,  dass  bei  der  Rückkehr ­
  der  päpstlichen  Capelle  von  Avignon  nach  Rom  die  Sänger
jene  Gesangsweisen  mitbrachten,  und  zwar  im  Gegensätze  zu
den  ,einfachen  alten  Harmonien*.  Von  vielen  Gelehrten  wird
hervorgehoben,  dass  diese  alten  Harmonien  das  Quinten-  und
Quartenorganum  gewesen  seien;  diese  Vermuthung  ermangelt
irgend  einer  historischen  Berechtigung;  es  ist  vielmehr  anzunehmen, ­
  dass  während  des  Aufenthaltes  der  päpstlichen  Capelle
in  Avignon  die  Ausbildung  der  mehrstimmigen  Musik  zwar
daselbst  grössere  Pflege  fand  und,  wenn  schon  nicht  grössere
Pflege,  so  doch,  dass  sich  die  mehrstimmige  Musik  einen  breiteren
Boden  zu  gewinnen  wusste,  als  in  der  spärlich  besetzten  römischen
Capelle.  Zudem  erfolgte  die  Uebersiedelung  der  Capelle  erst
1305  und  die  Rückkehr  schon  1376,  so  dass  von  einem  solchen
Gegensätze  gar  keine  Rede  sein  kann.  Ein  Umstand,  der  auch
schwer  in  das  Gewicht  fällt,  ist  der,  dass  jene  ,altehrwürdigen
Harmonien*  doch  nicht  ganz  verdrängt  worden  sind,  vielmehr
mit  den  von  den  Sängern  zurückgebrachten  Weisen  vereinigt
wurden,  sich  gegenseitig  assimilirten.
Wie  weit  die  Ausbildung  in  Rom  gediehen  war,  darüber
fehlen  bisher  Quellen.  Dass  aber  jene  mitgebrachten  Weisen
schnell  sich  einbürgerten  und  eine  dauernde  Zierde  der  päpstlichen ­
  Capelle  blieben,  darüber  verschaffen  uns  einige  noch
heute  übliche  liturgische  Gesänge  Gewissheit.
1  Jedoch  könnte  der  Name  ,falso  bordone 1  möglicherweise  zuerst  von  italienischen ­
  Mönchen  gebraucht  worden  sein.
            
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