Studie zur Geschichte der Harmonie.
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sogar ein unmusikalischer Begriff hinzutritt, lieh er seinen an
sich rüthselhaf'ten Namen. Es soll nun die Aufgabe der nachfolgenden
Untersuchung sein, dieser Verwirrung soweit möglich
ein Ende zu machen. Der schon in der Einleitung angedeutete
Gesichtspunkt soll uns die Möglichkeit verschaffen, in dieses
Labyrinth einen Plan zu bringen imd uns in diesen Irrgängen
orientiren zu können.
2. Bei welchen Völkern der Fauxbourdon eiugefiihrt war.
Der Name ist französisch: es ist bekannt, dass dieser
mehrstimmige Gesang bei den Franzosen eine vorzügliche Pflege
fand. 1 Insbesonders wird liervorgehoben, dass bei der Rückkehr
der päpstlichen Capelle von Avignon nach Rom die Sänger
jene Gesangsweisen mitbrachten, und zwar im Gegensätze zu
den ,einfachen alten Harmonien*. Von vielen Gelehrten wird
hervorgehoben, dass diese alten Harmonien das Quinten- und
Quartenorganum gewesen seien; diese Vermuthung ermangelt
irgend einer historischen Berechtigung; es ist vielmehr anzunehmen,
dass während des Aufenthaltes der päpstlichen Capelle
in Avignon die Ausbildung der mehrstimmigen Musik zwar
daselbst grössere Pflege fand und, wenn schon nicht grössere
Pflege, so doch, dass sich die mehrstimmige Musik einen breiteren
Boden zu gewinnen wusste, als in der spärlich besetzten römischen
Capelle. Zudem erfolgte die Uebersiedelung der Capelle erst
1305 und die Rückkehr schon 1376, so dass von einem solchen
Gegensätze gar keine Rede sein kann. Ein Umstand, der auch
schwer in das Gewicht fällt, ist der, dass jene ,altehrwürdigen
Harmonien* doch nicht ganz verdrängt worden sind, vielmehr
mit den von den Sängern zurückgebrachten Weisen vereinigt
wurden, sich gegenseitig assimilirten.
Wie weit die Ausbildung in Rom gediehen war, darüber
fehlen bisher Quellen. Dass aber jene mitgebrachten Weisen
schnell sich einbürgerten und eine dauernde Zierde der päpstlichen
Capelle blieben, darüber verschaffen uns einige noch
heute übliche liturgische Gesänge Gewissheit.
1 Jedoch könnte der Name ,falso bordone 1 möglicherweise zuerst von italienischen
Mönchen gebraucht worden sein.