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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 98. Band, (Jahrgang 1881)

Studien  zur  Geschichte  der  Harmonie.

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Der  Fauxbourdon.
1.  Uebersicht  über  die  bisherigen  Resultate  der  Forschung.
Keine  Materie  der  an  dunklen  Stellen  auch  sonst  überreichen ­
  Musikgeschichte  ist  so  unaufgeklärt,  ist  eine  solche
wissenschaftliche  Sphinx  wie  der  Fauxbourdon.  Die  verschiedensten ­
  Arten  mehrstimmiger  Musik  wurden  mit  diesem  Ausdrucke ­
  bezeichnet  und  man  fand  bisher  nicht  den  Schlüssel
zur  Zusammenfassung  dieser  verschiedenen  Arten  unter  einen
einheitlichen  Gesichtspunkt.  Dazu  kommen  noch  die  willkürlichen ­
  etymologischen  Erklärungen  eines  Doni  und  Praetorius.
Ambros  bricht  die  Besprechung  dieses  Gesanges  plötzlich  ab,
ohne  eine  genügende  Aufklärung  gegeben  zu  haben  und  viele
andere  Gelehrte  schliessen  sich  dieser  Behandlung  an.
Eine  knappe  Uebersicht  über  alles  das,  was  bisher  unter
diesem  Namen  bei  den  mittelalterlichen  Schriftstellern  gefunden
worden  ist,  diene  zur  Orientirung.
Vorerst  bedeutet  das  Wort  einen  zweistimmigen  Gesang,
in  welchem  die  beiden  Stimmen  im  Anfänge  am  Ende  und
bei  den  Halbschlüssen  in  Octaven  Zusammenkommen,  sonst
in  Sexten  singen;  ferner  auch  einen  dreistimmigen  Gesang,  in
welchem  die  äusseren  Stimmen,  ebenso  wie  bei  dem  erwähnten
Gesänge,  im  Anfänge  am  Ende  und  bei  den  Halbschlüssen
Octaven  bilden,  während  die  mittlere  die  Quint  zur  unteren
Stimme  bildet,  im  sonstigen  Verlaufe  des  Gesanges  die  äussere
Stimme  Sexten,  die  mittlere  Stimme  Terzen  zur  unteren  Stimme
bilden,  also  alle  drei  Stimmen,  wie  man  sich  auszudrücken
pflegt,  in  ,Sextaccorden‘  fortschreiten.  Ab  und  zu  treten  einige
Ligaturen,  recte  Synkopen,  und  zwar  besonders  bei  den  Schlüssen
auf.  Diese  beiden  Arten  werden  von  Tinetoris  und  Gafurius
erwähnt,  nur  mit  dem  Unterschiede,  dass  dieselben  die  mittlere
Stimme  als  in  Quarten  mit  der  oberen  Stimme  gehend  bezeichnen;
diese  Bezeichnung  ist  essentiell  gleichbedeutend  mit  der  obigen,
jedoch  vom  theoretisch-kritischen  Standpunkte  nicht  ebenso
gleichgiltig.  Die  genannten  Schriftsteller  galten  neben  Adam
v on  Fulda  bisher  als  die  der  Zeit  nach  zuerst  von  dem  Faux-
            
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