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Adler.
die gleiche, abwärtsgehende Bewegung hat wie die erste Stimme
sondern auch dass der harmonischen Tonalität entschieden
Rechnung getragen ist, indem die Harmonien: Tonika Dominante
Tonika aufeinanderfolgen, also sich ganz der einfachsten
harmonischen Behandlung der Hauptstimme zu fügen bemühen,
während im zweiten Falle die zweite Stimme ohne Rücksicht
auf die harmonische Natürlichkeit, wenn auch in ergänzender
Weise, so doch als selbständige Stimme der ersten entgegentritt.
Es wirft sich die Frage auf: tritt diese zweifache Behandlung
von jeher, nämlich seit jener Zeit, da überhaupt zweistimmig
gesungen wurde, in der Geschichte der Musik auf?
Diese Frage ist nach dem jetzigen Stande der Wissenschaft
mit gutem Gewissen weder zu bejahen noch zu verneinen.
Unsere Kenntniss der mehrstimmigen Gesänge erstreckt sich
nämlich nur auf die geistlichen Lieder der Frühzeit der Harmonie.
Wenn aber Coitssemaker schon aus diesem Umstande
allein auf die gänzliche Nichtexistenz mehrstimmiger Volksgesänge
schliesst, so ist dieser Schluss zumindest gewagt.
Zwei Momente scheinen sogar offen dagegen zu sprechen.
Zuerst tritt uns bei genauerer Beobachtung in der Geschichte
der Musik ein Kampf entgegen, der fürwahr diese Ansicht
nicht unterstützen kann; es ist der Kampf zwischen der kirchlichen
Tonalität und der weltlichen Dur- und Molltonalität, welche
letztere endlich den Sieg davontrug; die Kirchentonalität sträubt
sich offenbar gegen die Mehrstimmigkeit und der Grund warum
wir heute noch den mehrstimmigen Kirchengesängen selbst der
besten Meister wenn auch mit Bewunderung, so doch häufig
mit Befremden gegenüberstehen, ist darin gelegen, dass sie
mit unserem modernen tonalen Gefühle nicht ganz in Einklang
zu bringen sind. Der ganze moderne Schulstreit, ob und wann
bei den mehrstimmigen Compositionen Semitonien anzubringen
sind, die unsicheren Versuche in dieser Beziehung verrathen
nur den Gegensatz unserer harmonischen Tonalität gegen die
kirchliche. Der Kampf der Terz und Sext, welche in der Theorie
lange als Dissonanzen, endlich als unvollkommene Consonanzen.
bei uns als Consonanzen za-’ eijo^v angesehen werden, gegen
die Q.uint und theilweise die Quart, ihre endliche Vereinigung
weisen darauf hin, dass eine ausser ha 1b der kirchlichen