Die letzten Zeiten des Reiches der Tsch’in.
715
Schö-kien hatte ursprünglich mit Schö-ling, König von
Schi-hing, zugleich Gäste zu sicli berufen und versammelt. Ein
Jeder stritt um Einfluss und Gunst. So oft eine Zusammenkunft
an dem Hofe war, mochten die Wagenreihen keinen Vorzug
und Nachzug bilden, sie mussten auf getrennten Wegen
dahineilen. Die Leute des Gefolges stritten bisweilen um den
Weg und rauften, so dass es selbst Todte gab.
Als Kao-tsung erkrankte, schlossen sich Schö-kien, Schöling
und Andere zugleich an den späteren Vorgesetzten und
warteten bei der Krankheit auf. Schö-ling hatte insgeheim
andere Vorsätze. Er gab daher dem den Arzneien Vorgesetzten
Angestellten den Befehl: Das Messer, mit welchem man die
Arzneien schneidet, ist sehr stumpf. Man kann es schärfen. —
Um die Zeit als Kao-tsung plötzlich starb, befahl Schö-ling
wieder den Leuten der Umgebung, draussen ein Schwert zu
holen. Die Leute der Umgebung merkten die Sache nicht.
Sie nahmen das hölzerne Schwert, welches man an dem Gürtel
des Hofkleides trägt und reichten es ihm. Schö-ling ward
zornig. Schö-kien, der sich neben ihm befand, hörte es und
hatte Verdacht, dass es Veränderungen gebe. Er beobachtete,
was Jener thun werde.
Als man am nächsten Tage kleine Dinge begehrte, nahm
Schö-ling ein Messer, mit welchem man die Arzneien zerschneidet,
in den Aermel, lief vorwärts und hieb nach dem
späteren Vorgesetzten. Er traf ihn in den Nacken. Der spätere
Vorgesetzte war in Traurigkeit zu Boden gesunken. Die
Kaiserin und die Amme des späteren Vorgesetzten, die zu dem
Geschlechte J^. U gehörende Gebieterin von ijj!| ^ Lö-ngan,
deckten ihn Beide mit ihrem Leibe. Dadurch ward es ihm
möglich, zu entkommen. Schö-kien erfasste Schö-ling von rückwärts,
hielt ihn fest und entriss ihm zugleich das Messer. Er
wollte ihn tödten und fragte den späteren Vorgesetzten: Mit
ihm sofort ein Ende machen, ist die Behandlung. — Der spätere
Vorgesetzte war nicht fähig, zu antworten. Schö-ling besass
von jeher grosse Stärke. Er riss sich nach einer Weile
l°s, und es gelang ihm, zu entschlüpfen.
Schö-ling lief durch das Thor des Wolkendrachen hinaus
und trat in die Feste des östlichen Sammelhauses. Die Leute
seiner Umgebung zu sich rufend, schnitt er den Weg der