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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 98. Band, (Jahrgang 1881)

Plautinische  Studien.

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hätte  Plautus,  wenn  zu  seiner  Zeit  die  lyrischen  dialogischen
Partien  ohne  Musik  und  Tanz  vorgetragen  worden  wären,  noch
Zeit  und  Mühe  aufgewendet,  diese  Stücke  für  die  blosse  Declamation
  so  künstlich  zu  gestalten?
Eben  dafür  spricht  audh  noch  ein  anderer  Umstand.  Die
Abschnitte  nämlich,  in  welche  die  grösseren  Cantica  zerfallen,
gliedern  sich  durchweg  nach  den  jeweilig  agirenden  Personen.
So  enthalten  in  dem  an  dritter  Stelle  (im  VI.  Abschnitte)  besprochenen ­
  Canticum  die  Verse  313—329  einen  Monolog  des
Callidamates;  mit  dem  wechselnden  Versmasse  beginnt  ein
Dialog  zwischen  ihm  und  Delphium;  das  Hinzutreten  des  Philolaches
  veranlasst  wieder  ein  neues  Metrum;  der  letzte  Vers
endlich  bildet  die  Begleitung  zum  Schlusstableau,  in  dem  man
sich  die  Zechgenossen  und  ihr  Gefolge  in  anmuthiger  Weise
gruppirt  denken  muss.  Warum  Philematium  eine  so  kleine
Rolle  hat  und  warum  ihre  Worte  gerade  an  einem  Orte  placirtsind,
  wo  das  Fortschreiten  der  Composition  durch  einen  Ruhepunkt ­
  unterbrochen  wird,  ist  nun  ziemlich  klar:  sie  tanzt  eben
nicht  und  kommt  auch  in  keinem  anderen  Canticum  vor.
Dieses  Resultat  gilt  natürlich  einstweilen  blos  für  die
eine  Mostellaria;  für  jedes  der  anderen  Stücke  wird  es  aus
den  lyrischen  Partien  besonders  bewiesen  werden  müssen.
Doch  darf  man  sich  keine  allzugrossen  Hoffnungen  in  dieser
Hinsicht  machen;  bei  einer  grossen  Anzahl  von  Stücken  wird
sich  —  in  Folge  der  durchgreifenden  Umarbeitung,  die  die
Cantica  erfahren  haben  —  ein  solches  Ziel  gar  nicht  mehr
erreichen  lassen.  Wie  pietätlos  man  bei  dieser  Ueberarbeitung
zu  Werke  gieng,  dafür  bietet  gleich  das  erste  Canticum  der
Mostellaria  (der  Monolog  des  Philolaches)  ein  einleuchtendes
Beispiel.  Der  Interpolator  hat  hier  nicht  nur  an  vielen  Stellen
sein  eigenes  Machwerk  in  den  Test  gesetzt,  sondern  auch  hier
und  dort,  wo  es  ihm  gerade  passte,  unbarmherzig  gestrichen.
So  vermisst  man  z.  B.  zwischen  v.  132  und  133  die  Hinüberleitung ­
  vom  Allgemeinen  zur  speciellen  Anwendung,  die  der
breiten  Anlage  des  ganzen  Stückes  nach  —  sie  bleibt  es  auch
nach  Entfernung  aller  Glosseme  —  sicherlich  nicht  gefehlt  hat.
Dies  der  Grund,  weshalb  ich  dieses  Canticum  nicht  in  den
Kreis  meiner  Betrachtung  ziehen  konnte;  denn  die  Spuren  von
Responsion,  die  sich  auch  hier  finden,  führen  zu  keinem  sicheren
            
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