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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 98. Band, (Jahrgang 1881)

Ueber  die  Gedichte  des  Labyd.

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niedergeschrieben  wurden,  so  ergibt  sich  hieraus  die  Schlussfolgerung, ­
  dass  es  mit  dem  überlieferten  Texte  der  alten  Gedichte ­
  nicht  gar  so  schlecht  steht,  wie  von  mancher  Seite
behauptet  worden  ist.
Mir  scheint,  dass  auch  in  diesem  Falle  nichts  so  bedenklich ­
  wäre,  als  ein  allgemeines  Urtheil  für  oder  gegen  abzugeben, ­
  sondern  dass  das  einzige  wissenschaftliche  und  kritische
Vorgehen  nur  das  sein  kann,  jedes  Gedicht  oder  jeden  Dichter
für  sich  unbefangen  zu  prüfen  und  das  Urtheil  für  oder  gegen
die  Verlässlichkeit  des  Textes  auf  Thatsachen  und  Beweise  zu
stützen.
Für  Labyd  stellen  sich  nun  bei  Anwendung  dieses  Verfahrens ­
  die  Dinge  recht  günstig.
Es  lässt  sich  nämlich  der  Nachweis  liefern,  dass  der
Text  der  Gedichte  mit  grosser  Sorgfalt  überliefert  worden  ist.
Ich  will  nicht  besonderes  Gewicht  legen  auf  die  alterthümlichen,
  dem  Labyd  eigenen  Ausdrücke,  wie  zum  Beispiel:
(Jfioli  u^is  S.  30,  V.  1  ,ein  sprechendes  Pergament',  d.  i.  ein
Brief  oder  S.  33,  V.  2,  ein  Wort  über  dessen  eigentliche ­
  Bedeutung  die  arabischen  Erklärer  selbst  im  Zweifel
sind.  1  Aber  schon  von  grösserer  Beweiskraft  scheint  es  für
die  Güte  des  überlieferten  Textes,  dass  in  demselben  eine
dialektische  Eigenheit  des  Raby'ah-Stainmes  sich  erhalten  hat,
nämlich  S.  59 ?  V.  3  statt  ySö,  dass  selbst  solche  Stellen
wie  S.  61,  V.  3,  wo  U.+JI  für  steht,  eine  beispiellose
poetische  Licenz,  die  zu  einer  Verbesserung  geradezu  herausforderte, ­
  unverändert  beibehalten  wurden.
Weniger  ins  Gewicht  fällt  der  Gebrauch  von  Fremdworten ­
  wie  z.  B.  u^»i'  S.  1,  V.  4;  yi-s-  S.  63,  V.  3;
1  Der  Commentar  gibt  für  dieses  Wort  die  Bedeutung:  Seil,  Strick,  Lammfell, ­
  in  welches  der  Weinschlauch  eingewickelt  wird,  Ueberzug,  Einhüllung ­
  des  Weinschlauches.  Gauhary  citirt  den  Vers  ohne  ihn  zu  erklären
und  fügt  nur  bei,  es  werde  das  fragliche  Wort  auch  zur  Bezeichnung
langer,  gestreckter  Kameele  angewendet.  Ich  halte  das  Wort  für  ein
Fremdwort  und  vermuthe  eine  Entstellung  des  griechischen  arpto[j.aT£fov,
das  ins  Chaldäische  in  der  Form  ptöÖHtfiD  stromatin  überging,  aus  der
ich  das  arabische  Wort  ableite  (vgl.  arab.  sirät  und  latein.  strata,  kasr  und
latein.  castrum,  loss  und  Xiazir]^).  In  diesem  Falle  hätte  es  die  Bedeutung:
Teppich,  dicke  Wolldecke,  worin  der  Weinschlauch  eingewickelt  wurde.
            
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