Ueber die Gedichte des Labyd.
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Hiemit vergleiche ich die Rolle der Räwy, der Liederkundigen,
welche den Text der alten Gedichte überlieferten. 1
Sie kamen dem Gedächtnisse des Dichters zu Hilfe und sie
hielten bei dem Vortrage der Gedichte die richtige Lesart fest.
Dass sie hiezu schriftliche Aufzeichnungen benützten, scheint
mir aus den Schreibvarianten hervorzugehen.
Wir finden nämlich in den Texten zahlreiche Varianten,
die nur durch die einfache Verwechslung der in der Schrift
ähnlichen Buchstaben entstanden sind. Ich will hier einige
Beispiele anführen: Aghäny IV, S. 89 Jo^JsJf statt ^..d
JujkJ!; VII, S. 68 kx>! ! stchtt jjo! oö!
U- Jl aus einem Gedichte des Garyr, das sicher
schriftlich überliefert ward, XVI, S. 142 li-vyo statt Ixa-Uo;
Kämil des Mobarrad S. 25, Z. 3 statt ; S. 27,
Z. 17 tL*Äj statt ; S. 34, Z. 2 statt ; S. 128,
_c-Z.
15 Stätt ^ S. 156, Z. 5 ^,-lj statt und
dergleichen mehr.
Wenn wir uns nun gegenwärtig halten, dass durch die
Einführung der diakritischen Punkte unter Haggäg ein
grosser Theil der früheren Unsicherheit beseitigt worden war,
dass bald darauf auch die Einführung besonderer Zeichen
für die Vocale erfolgte, 2 so werden wir die Entstehung der
meisten dieser nur aus der Mangelhaftigkeit der Schrift entstandenen
Varianten, die bei mündlicher Ueberlieferung nicht
möglich wären, in die Zeit vor Haggäg verlegen müssen, so
dass wir eine sichere und regelmässige schriftliche Ueberlieferung
schon mit Ende des I. Jahrhunderts nach Mohammed
anzunehmen berechtigt sind, womit schriftliche Aufzeichnungen
aus viel früherer Zeit durchaus nicht ausgeschlossen sind.
Die alten Philologen des III. und IV. Jahrhunderts II.
hatten, als sie die Gedichte zu sammeln begannen und herausgaben,
zweifellos schon verschiedene schriftliche Textüb,er-1
Fast jeder bedeutende Dichter hatte seiuen ltäwy. Vgl. Ahlwardt: Ueber
die Echtheit u. s. w. S. 8, 9.
2 Ueber die Einführung der Lesezeichen vgl. meine Culturgeschichte des
Orients II, S. 408.