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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 98. Band, (Jahrgang 1881)

Ueber  die  Gedichte  des  Labyd.

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Hiemit  vergleiche  ich  die  Rolle  der  Räwy,  der  Liederkundigen, ­
  welche  den  Text  der  alten  Gedichte  überlieferten.  1
Sie  kamen  dem  Gedächtnisse  des  Dichters  zu  Hilfe  und  sie
hielten  bei  dem  Vortrage  der  Gedichte  die  richtige  Lesart  fest.
Dass  sie  hiezu  schriftliche  Aufzeichnungen  benützten,  scheint
mir  aus  den  Schreibvarianten  hervorzugehen.
Wir  finden  nämlich  in  den  Texten  zahlreiche  Varianten,
die  nur  durch  die  einfache  Verwechslung  der  in  der  Schrift
ähnlichen  Buchstaben  entstanden  sind.  Ich  will  hier  einige

Beispiele  anführen:  Aghäny  IV,  S.  89  Jo^JsJf  statt  ^..d
JujkJ!;  VII,  S.  68  kx>!  !  stchtt  jjo!  oö!
U-  Jl  aus  einem  Gedichte  des  Garyr,  das  sicher
schriftlich  überliefert  ward,  XVI,  S.  142  li-vyo  statt  Ixa-Uo;
Kämil  des  Mobarrad  S.  25,  Z.  3  statt  ;  S.  27,

Z.  17  tL*Äj  statt  ;  S.  34,  Z.  2  statt  ;  S.  128,
_c-Z.
  15  Stätt  ^  S.  156,  Z.  5  ^,-lj  statt  und
dergleichen  mehr.
Wenn  wir  uns  nun  gegenwärtig  halten,  dass  durch  die
Einführung  der  diakritischen  Punkte  unter  Haggäg  ein
grosser  Theil  der  früheren  Unsicherheit  beseitigt  worden  war,
dass  bald  darauf  auch  die  Einführung  besonderer  Zeichen
für  die  Vocale  erfolgte, 2  so  werden  wir  die  Entstehung  der
meisten  dieser  nur  aus  der  Mangelhaftigkeit  der  Schrift  entstandenen ­
  Varianten,  die  bei  mündlicher  Ueberlieferung  nicht
möglich  wären,  in  die  Zeit  vor  Haggäg  verlegen  müssen,  so
dass  wir  eine  sichere  und  regelmässige  schriftliche  Ueberlieferung ­
  schon  mit  Ende  des  I.  Jahrhunderts  nach  Mohammed
anzunehmen  berechtigt  sind,  womit  schriftliche  Aufzeichnungen
aus  viel  früherer  Zeit  durchaus  nicht  ausgeschlossen  sind.
Die  alten  Philologen  des  III.  und  IV.  Jahrhunderts  II.
hatten,  als  sie  die  Gedichte  zu  sammeln  begannen  und  herausgaben,
  zweifellos  schon  verschiedene  schriftliche  Textüb,er-1

  Fast  jeder  bedeutende  Dichter  hatte  seiuen  ltäwy.  Vgl.  Ahlwardt:  Ueber
die  Echtheit  u.  s.  w.  S.  8,  9.
2  Ueber  die  Einführung  der  Lesezeichen  vgl.  meine  Culturgeschichte  des
Orients  II,  S.  408.
            
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