Ueber die Gedichte des Labyd.
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Ein anderer Vers desselben Gedichtes S. 11, V. 4 bringt
wieder eine Entlehnung aus dem aramäischen Sprachgebiete.
Es bezieht sich die Stelle auf das jüngste Gericht.' Es wird gesagt,
dass selbst der Kenner der heiligen Schriften (des Midrasch)
nicht in die göttliche Gnade aufgenommen werde, ausser durch
Sündenreinheit und Busse. Das Wort u* 1 ^! Juo ist in diesem
Sinne nicht gebräuchlich und kommt deshalb bei den frühesten
Lexicographen gar nicht vor. 2 Und auch die göttliche Gnade
ist eine Entlehnung aus christlicher oder jüdischer Quelle.
Die Stellen des Korans, wo Gott den Beinamen rahmän führt,
verrathen nach Sprenger christlichen Einfluss, so wie die ganze
Gnadenlehre. Das Wort rahmän wird von den arabischen
Sprachforschern selbst als ein Fremdwort bezeichnet. 3 Es
kommt schon im Chaldäischen vor, die Rabbinen gebrauchen
es als einen Namen Gottes und ebenso begegnen wir demselben
Worte als Beinamen Gottes auf einem palmyrenischen
Altäre vom Jahre 533 (221 Ch.). 4
Auf Vertrautheit mit dem christlichen Mönchswesen deutet
jene Stelle, wo Labyd empfiehlt, die Pflichten (Gebote) der
frommen Männer zu erfüllen und ihrem Vorbilde zu folgen.
Asceten und Büsser kannte der alte Islam ebensowenig wie
das arabische Heidenthum, aber bei den christlichen oder jüdischen
Religionsgemeinden spielten sie schon früh eine hervorragende
Rolle.
Aus den vorhergehenden Erörterungen lässt sich mit
einiger Berechtigung der Schluss ziehen, dass trotz der geringen
Andeutungen heidnischer Ideen, der häufigen Erwähnung Allahs
und ungeachtet der zahlreichen religiösen Stellen dennoch kein
Grund vorliegt, deshalb diese Gedichte für unecht oder absichtlich
entstellt zu erklären.
Ist diese Voraussetzung richtig, so müssen wir gleichzeitig
annehmen, dass der Dichter selbst und jene, für welche
' Auch bei Zohair XVI, 27 ist vom jüngsten Gerichte die Rede.
■ Vgl. Geiger: Was hat Mohammed aus dem Judenthume aufgenommeu?
Bonn, 1833, S. 51.
3 Sprenger: Das Leben und die Lehre des Mohammed II, S. 199. Osiander
in der Zeitschrift der Deutschen Morgenländischen Gesellschaft X, S. 61.
4 Vogue : Syrie centrale. Iuscriptions palmyreniennes S. 74.
Sitzongsber. d. phil.-hist. CI. XCVI1I. Bd. II. Hft. 37