Skip to main content Jump to sidebar

Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 98. Band, (Jahrgang 1881)

574

Krem  er.

Da  es  nun  keinem  Zweifel  unterliegt,  dass  diese  Inschriften ­
  in  vormohammedanische  Zeit  fallen,  so  haben  wir
hier  schon  eine  Idee,  die  wir  gewohnt  sind,  als  erst  später
durch  den  Islam  zu  den  Arabern  importirt  anzusehen.  Wie
diese  Inschrift  bezeugt,  war  sie  aber  viel  früher,  vermuthlich
unter  dem  Einflüsse  des  Christenthums,  zu  den  heidnischen
Bewohnern  der  Safä-Gegend  gedrungen,  trotz  ihrer  Abgeschiedenheit ­
  von  dem  grossen  Völkerverkehr.  Wie  viel  leichter  mussten
solche  Anschauungen  in  Nordarabien,  wo  starke  christliche
und  jüdische  Colonien  wohnten,  sich  verbreiten?
Unmittelbar  auf  den  Vers,  dem  obige  Stelle  entnommen
ist,  folgt  ein  nicht  minder  auffallender.  Er  lautet:

Dieser  Vers  ist  schwer  zu  verstehen,  weil  in  demselben
eine  fremdartige  Religionsidee  steckt,  die  auch  in  den  ungewöhnlichen ­
  Worten  sich  erkennen  lässt.
Das  Wort  ^Ubo,  Wohnort,  Aufenthaltsstätte,  eigentlich  der
locus  standi,  wird  hier  in  übertragener  Bedeutung  gebraucht-Das
  Wort  ist  in  der  Bedeutung  dem  hebräischen  Diptt  entlehnt,
das  nicht  blos  Ort,  Stelle,  Platz  bedeutet,  sondern  auch  heilige
Stelle,  geweihter  Ort.  1  In  diesem  Sinne  erhielt  es  allmälig
eine  weitere  Uebertragung,  indem  die  Rabbiner  es  auf  Gott
anwendeten  in  dem  Sinne  ,göttliche  Majestät 1 . 2  In  einem  ähnlichen ­
  übertragenen  Sinne  kommt  es  bei  Labyd  zur  Anwendung.
Welchen  Gedanken  er  hiemit  verband,  bleibt  allerdings  etwas
unklar.  Es  mag  so  viel  hier  bedeuten  als  Heiligkeit,  Reinheit, ­
  Sündenlosigkeit.  Nur  wenn  wir  diese  oder  eine  ähnliche
Bedeutung  annehmen,  passt  die  erste  Hälfte  des  Verses  zur
zweiten,  die  übrigens  auch  nicht  von  Dunkelheiten  frei  ist,
indem  dort  zwei  Worte  Vorkommen,  die  ungebräuchlich  sind,
nämlich  und  ^Lciwo.  In  Ermanglung  besserer  Anhaltspunkte ­
  folgen  wir  hierin  der  allerdings  wenig  befriedigenden
Erklärung  des  Commentars. 3

1  Dozy:  Die  Israeliten  in  Mekka  S.  148.
3  Auch  im  späteren  Arabischen  wird  es  gebraucht  für  Majestät,  Hoheit  etc.
3  Vielleicht  steckt  in  dem  Worte  eine  Anspielung  auf  das  Judenthuni.
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.