Ueber die Gedichte des Labyd.
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Samman und die Felsberge (Choshob). Hiermit war das Culturland
erreicht und, um mit den Worten des Dichters zu sprechen:
,Da lenkte sie ab vom Wege das Hahnengeschrei und das
Klappern der Kirchenklöppel (näkus) und es ward wieder das
Weite gesucht/ 1 — Diese Stelle ist recht bezeichnend; es wird
der Weg von Jamämah, also aus Centralarabien nach der Küste
geschildert, über ‘Alig, durch die Dahnä-Wüste und Samman
in das Küstengebiet des Persischen Golfes, wo zu jener Zeit
in vielen Dörfern das Christenthum herrschte. Das Erste, was
den Eingebornen des Hochlandes fremdartig berühren musste,
war gewiss der Anblick der zahlreichen Ansiedlungen, aus denen
ihm der ungewohnte Laut des Hahnenschreis und das Geklapper
der hölzernen Klöppel entgegentönte, die statt der Glocken
gebraucht wurden, um die Gemeinde zum Gebete zu rufen.
Diese Zusammenstellung zeigt, dass in den Gedichten
Labyds sich echte Lebenseindrücke finden, wie sie nicht leicht
von den Sprachgelehrten einer späteren Zeit hätten erdichtet
werden können, die in ihrer Begeisterung für altarabische
Wüstenscenerie zwar recht gut die Schrecken des nächtlichen
Rittes durch die menschenleere Einöde, den Ritt auf dem
strammen Kameele, den Regenguss, das Wetterleuchten, u. s. w.
zu beschreiben gelernt hatten, aber nichts weiter als eben das.
Der Verfasser der Gedichte ist also nach aller Wahrscheinlichkeit
Labyd. Und die Uebereinstimmung in Sprache
und Gedankengang zwischen der Mo'allakah und den Gedichten
zeigt, dass beide denselben Verfasser haben. Er war ein Centralaraber,
aus Jamämah, denn die wenigen geographischen Namen,
die wir örtlich nachweisen können, deuten dorthin. Das Thal
Wady Sollay, S. 1, V. 2, ist höchst wahrscheinlich dasselbe,
welches Palgrave auf seiner Reise durchkreuzte , 2 ebenso passen
die Namen: falg, afläg auf Jamämah.
Es bleibt aber noch eine Frage zu beantworten, die nicht
ohne Schwierigkeit ist. Die Gedichte des Labyd fallen angeblich
in die Zeit, wo er noch nicht den Islam angenommen
hatte. Nach den allerdings nicht sehr verlässlichen Nachrichten
über seine Lebensgeschichte lebte er zwar später als Moslim
1 Gedichte des Labyd S. 137, V. 3.
2 Palgrave: Reise in Arabien II, 126 ff.