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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 98. Band, (Jahrgang 1881)

Ueber  die  Gedichte  des  Labyd.

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Samman  und  die  Felsberge  (Choshob).  Hiermit  war  das  Culturland
  erreicht  und,  um  mit  den  Worten  des  Dichters  zu  sprechen:
,Da  lenkte  sie  ab  vom  Wege  das  Hahnengeschrei  und  das
Klappern  der  Kirchenklöppel  (näkus)  und  es  ward  wieder  das
Weite  gesucht/  1  —  Diese  Stelle  ist  recht  bezeichnend;  es  wird
der  Weg  von  Jamämah,  also  aus  Centralarabien  nach  der  Küste
geschildert,  über  ‘Alig,  durch  die  Dahnä-Wüste  und  Samman
in  das  Küstengebiet  des  Persischen  Golfes,  wo  zu  jener  Zeit
in  vielen  Dörfern  das  Christenthum  herrschte.  Das  Erste,  was
den  Eingebornen  des  Hochlandes  fremdartig  berühren  musste,
war  gewiss  der  Anblick  der  zahlreichen  Ansiedlungen,  aus  denen
ihm  der  ungewohnte  Laut  des  Hahnenschreis  und  das  Geklapper
der  hölzernen  Klöppel  entgegentönte,  die  statt  der  Glocken
gebraucht  wurden,  um  die  Gemeinde  zum  Gebete  zu  rufen.
Diese  Zusammenstellung  zeigt,  dass  in  den  Gedichten
Labyds  sich  echte  Lebenseindrücke  finden,  wie  sie  nicht  leicht
von  den  Sprachgelehrten  einer  späteren  Zeit  hätten  erdichtet
werden  können,  die  in  ihrer  Begeisterung  für  altarabische
Wüstenscenerie  zwar  recht  gut  die  Schrecken  des  nächtlichen
Rittes  durch  die  menschenleere  Einöde,  den  Ritt  auf  dem
strammen  Kameele,  den  Regenguss,  das  Wetterleuchten,  u.  s.  w.
zu  beschreiben  gelernt  hatten,  aber  nichts  weiter  als  eben  das.
Der  Verfasser  der  Gedichte  ist  also  nach  aller  Wahrscheinlichkeit ­
  Labyd.  Und  die  Uebereinstimmung  in  Sprache
und  Gedankengang  zwischen  der  Mo'allakah  und  den  Gedichten
zeigt,  dass  beide  denselben  Verfasser  haben.  Er  war  ein  Centralaraber, ­
  aus  Jamämah,  denn  die  wenigen  geographischen  Namen,
die  wir  örtlich  nachweisen  können,  deuten  dorthin.  Das  Thal
Wady  Sollay,  S.  1,  V.  2,  ist  höchst  wahrscheinlich  dasselbe,
welches  Palgrave  auf  seiner  Reise  durchkreuzte  , 2  ebenso  passen
die  Namen:  falg,  afläg  auf  Jamämah.
Es  bleibt  aber  noch  eine  Frage  zu  beantworten,  die  nicht
ohne  Schwierigkeit  ist.  Die  Gedichte  des  Labyd  fallen  angeblich ­
  in  die  Zeit,  wo  er  noch  nicht  den  Islam  angenommen
hatte.  Nach  den  allerdings  nicht  sehr  verlässlichen  Nachrichten
über  seine  Lebensgeschichte  lebte  er  zwar  später  als  Moslim

1  Gedichte  des  Labyd  S.  137,  V.  3.
2  Palgrave:  Reise  in  Arabien  II,  126  ff.
            
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