Skip to main content Jump to sidebar

Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 98. Band, (Jahrgang 1881)

512

Büdinger.  Zeit  und  Raum  bei  dem  indogermaniseben  Volke.

(Erebos)  und  schwarze  Nacht.  Aus  ihrer  Umarmung  gehen
Licht  und  Tag  hervor  —  jener  Aether,  der  uns  als  ein  Lebensprincip
  indogermanischer  Schöpfungslehre  entgegengetreten  ist.
In  der  That,  nur  eine  Studie  lege  ich  vor;  aber  ich  habe
sie  veröffentlichen  zu  dürfen  geglaubt,  weil  ich  eine  Bahn  erkannt ­
  zu  haben  meine,  auf  der  Sprach-  und  Mythenforschung
von  den  Ursprüngen  indogermanischen  Lebens  und  religiösen
Denkens  an  zu  der  Lösung  der  Geister  in  der  neuern  Philosophie ­
  den  Weg  finden  mag.
Wird  es  aber  zu  viel  behauptet  sein,  wenn  ich  die
Meinung  auszusprechen  wage,  dass  eine  Hauptlehre  Kant’s
mit  einer  Grundanschauung  indogermanischen  Geistes  stimme,
die  in  den  ursprünglichen  Fassungen  von  Schicksal  und  Götterursprung ­
  ihren  Ausdruck  fand?  1
1  Die  Bedeutung,  welche  Kant’s  und  seiner  englischen  Vorgänger,  Locke,
Hume  und.  Reid,  Lehre  für  diese  Grundanschauung  besitzt,  hat  mich  der
Frage  seiner  eigenen  Abkunft  näher  zu  treten  veranlasst.  Der  gütigen
Mittheilung  des  Herrn  Bibliothekar  Dr.  R.  Reiche  zu  Königsberg  in
Preussen  verdanke  ich  nun  mehrere  Angaben,  welche  hier  ihre  Stelle
finden  mögen  und  vielleicht  zu  weiterer  Nachforschung  Anlass  geben.
Kant  selbst  spricht,  wenn  auch  in  etwas  unbestimmten  Worten,  seine
Ueberzeugung  dahin  aus  (Sämmtliche  Werke,  herausgegeben  von  Rosenkranz ­
  und  Schubert,  XI,  1,  174),  dass  er  schottischer  Herkunft  und  seine
Familie  im  siebzehnten  Jahrhundert  in  Preussen  eingewandert  sei.  Aus
dem  Tauf  buche  der  lutherischen  Stadtkirche  in  Memel  erhellt  aber,  dass
Kant’s  Vater  Johann  Georg  dort  am  3.  Januar  1683  getauft  ward  und
dessen  Vater  Hans  Kant  (im  Jahre  1678  Kami  geschrieben),  also  des
Philosophen  Grossvater,  am  10.  October  1678  dort  Riemer  war  und  einen
Sohn  Adam  taufen  liess.  Ob  etwa  in  den  Kirchenbüchern,  die  nur  bis
1673  zurück  durchgesehen  sind,  oder  in  Aufzeichnungen  dortiger  Handwerksgenossenschaften ­
  weitere  Nachrichten  über  ihn  enthalten  oder  alle
diese  literarischen  Denkmale  bei  dem  Brande  vom  October  1854  zu
Grunde  gegangen  seien,  habe  ich  nicht  in  Erfahrung  bringen  können.
Möglicher  Weise  hat  sich  die  weitere  Forschung  aber  auch  nach  Schottland ­
  und  vielleicht  auf  die  Listen  der  schottischen  Anhänger  Cromwell’s,
der  Cameronianer  zu  richten,  welche  unter  dem  zurückgekehrten  Könige
Karl  IT.  auszuwandern  besonders  dringenden  Anlass  hatten,  ohne  gleich
vielen  Ansiedlern  von  New-Jersey  und  Pennsylvanien  durch  ihre  allzu
abweichenden  religiösen  Auffassungen  sich  die  Möglichkeit  der  Niederlassung ­
  im  Herzogtlmme  Preussen  zu  versperren.
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.